Klingeltöne retten die Musikindustrie
Klingeltöne zur Individualisierung von Mobiltelefonen sind im Laufe des letzten Jahres zum lukrativen Geschäft geworden.
Allein in Japan und Europa haben die Konsumenten für die schrillen elektronischen Versionen ihrer Lieblingshits ungefähr eine Milliarde Euro ausgegeben.
In Japan werden durchschnittllich 80 Millionen neue Klingeltöne jeden Monat bestellt, da die Anhänger ihr Handy immer mit dem neuesten Gebimmel ausstatten wollen. In Europa sind es immerhin noch 60 Millionen Bestellungen pro Monat, schätzungweise die Hälfte aller Europäer unter 30 Jahren haben schon einmal einen Klingelton heruntergeladen.
Nokia-Läuten am beliebtesten
Anscheinend lieben nicht nur Zweibeiner das Klingeln ihrer
Handys, sondern auch ihre vierbeinigen Hausgenossen. In einer
Katzen-Newsgroup wurde berichtet, dass die Katzen vor allem auf
Nokia-Klingeltöne mit zufriedenem Schnurren reagieren.
Musikindustrie verdient durch Lizenzgebühren
Handy-Nutzer können ihre Klingeltöne entweder über das Internet oder nur über das Mobiltelefon erwerben. Bezahlt wird entweder über einen Anruf bei einer Mehrwertnummer oder über die monatliche Telefonrechnung.
Die Gebühren werden unter den Klingelton-Anbietern, Netzbetreibern und der Musikindustrie aufgeteilt.
Vor allem die Musikindustrie wittert in dem Klingelton-Boom ihre Chance auf Lizenzgebühren. Sie fordert einen größeren Anteil am Umsatz mit den Songs, mit dem Argument, dass der bloße Download eines Ruftons durch die Übertragungsdauer Providern und Handynetzbetreibern sowieso bereits höhere Einnahmen einbringt.
Glaubensbekenntnis via Handy-Gebimmel
Derzeit sind tausende Klingeltöne von dutzenden Anbietern
erhältlich. Die Konsumenten können aus Hits aus nahezu allen
Jahrzehnten und Genres wählen. In den Niederlanden kann man sich
sogar Kirchenlieder aufs Handy holen.
Soll bald Zehntel des Umsatzes ausmachen
In den USA setzt sich der neue Trend langsamer durch. Wurden im Jänner beim Marktführer Moviso [gehört zu Vivendi Universal] noch 79.000 Downloads bestellt, waren es im Dezember bereits 1,5 Millionen.
"Das hat ein Riesenpotential, " freut sich Jay A. Samit, Vizepräsident für Neue Medien bei EMI Music. "Dieser Bereich verzeichnet das größte Wachstum für die Musikindustrie." In den kommenden Jahren will EMI bis zu 10 Prozent des gesamten Umsatzes an den Klingetönen verdienen.
2001 erzielte die gesamte Musikindustrie einen Umsatz von 33 Milliarden USD weltweit, Lizenzen für die Klingeltöne könnten demnach bis zu 3,3 Milliarden USD wert sein.
Schutz der Urheberrechte auf mobilen Geräten
Auch an einem Kopierschutz für Klingeltöne wird bereits
gearbeitet. IBM und Nokia haben eine erste Software vorgestellt, die
es Programmierern ermöglicht, Klingeltöne und Bilder zu erstellen,
die nur eine begrenzte Zeit verwendbar sind.