
RoboCupJunior: "Besser, als Office üben"
In Österreichs Schulen ist das Roboterfieber ausgebrochen: Zahlreiche Klassen bereiten sich auf die am Wochenende in Wien stattfindende nationale Qualifikation für die Roboter-WM vor. Von 90 Teams werden schließlich 30 Ende Juni beim RoboCup in Graz starten - ORF.at hat zwei der teilnehmenden Schulen besucht.
Die 25 Schüler der dritten Klasse der höheren Lehranstalt für Maschineningenieurwesen der HTL Zeltweg geben sich ziemlich gelassen, doch das sei nur der äußere Schein, erklärt ihr Informatiklehrer Arno Martetschläger: "Die Motivation ist hoch, mittlerweile nehmen sie die Roboter überall hin mit."
Die RoboCupJunior Austrian Open 2009 werden an der FH Technikum Wien ausgetragen. Am Samstagnachmittag findet der erste Wertungsdurchgang statt, Sonntagvormittag der zweite. Im Anschluss werden die Sieger geehrt. Insgesamt gibt es drei Ligen (Soccer, Dance und Rescue) und zwei Alterklassen: Primary (zehn bis 14) und Secondary (15 bis 18).
Hohe Latte aus dem Vorjahr
In insgesamt sechs Teams werden die 23 Burschen und zwei Mädchen am 28. und 29. März bei den RoboCupJunior Austrian Open 2009 an der FH Technikum Wien um einen der 30 österreichischen Startplätze kämpfen - und die Latte ist hoch: Bei der ersten Teilnahme 2008 schaffte eines der Teams der HTL Zeltweg prompt die Qualifikation und fuhr zum RoboCup nach China.
Heuer geht es zwar "nur" nach Graz, doch das mindert den grundsätzlichen Kampfgeist nicht: "Natürlich wollen wir die Qualifikation schaffen", so die Schüler, um dann gleich wieder abzuschwächen: "Egal was passiert: Dabei sein ist alles." Auch Martetschläger gibt sich betont gelassen: "Der RoboCup ist eine Zugabe, mir geht es vor allem darum, die Kinder im Unterricht zu motivieren."
Noch läuft nicht alles glatt
Die Schüler selbst sehen sich gut gerüstet, auch wenn die sechs mit Lego Mindstorms gebastelten Rescue-Roboter bei der Demonstration in der Schulaula mit dem Trainingsparcour noch ein wenig zu kämpfen haben: Immer wieder kommt ein Roboter vom Weg ab, bleibt auf der Rampe hängen oder droht vom Tisch zu fallen.
Allerdings ist bei jedem auftauchenden Problem umgehend ein Schüler da und verhindert eine mögliche Katastrophe. Kurz darauf versammelt sich das jeweilige Team, um mögliche noch zu lösende Probleme zu diskutieren. Echte Gelassenheit sieht anders aus, man merkt, dass den Schülern ihre Roboter doch nicht so ganz egal sind.
Altersgemäße Coolheit
Die Frage, ob und was denn das Spannende an den Robotern sei, wird, dem Alter entsprechend, allgemein mit einem lässigen Achselzucken quittiert. "Man kann alles machen", tönt es eher leise von weiter hinten. Und die größte Herausforderung? "Dass sich der Roboter auch im Raum ohne schwarze Linie orientieren kann und den Weg findet." Und wie finden sie die Roboter im Vergleich zum bisherigen Informatik-Unterricht? Allgemeines Schweigen, bis der Lehrer "C++" als Stichwort in den Raum wirft und die Schüler gemeinsam aufstöhnen: "Ja, das ist viel besser als in C++ zu programmieren."
Roboter im Informatikunterricht
Die Schüler in Zeltweg bauen und programmieren ihre Roboter im Rahmen des Informatikunterricht, einige der benötigten Bauteile wurden im Labor selbst gebaut. Mit den Robotern und der Teilnahme am RoboCup endet auch ihr dreijähriger Informatikunterricht, der bisher von C++, Hardware-Know-how und der Handhabung von Software wie Office dominiert wurde.
Der Lehrplan schreibe das Erlernen einer Programmiersprache vor, die Schule könne sich dann selber aussuchen welche, so Martetschläger. "Es geht um die Logik, die Grammatik dahinter ist gleich." Zwingen müsse er niemanden: "Mit den Robotern kann ich die Schüler besser und leichter motivieren, als wenn ich mit ihnen das Einfügen von Fußzeilen in Office übe." Auch die Ergebnisse seien deutlich besser, zeigt sich Matetschläger überzeugt. Das Abschneiden beim RoboCup fließt übrigens nicht in die Note ein.
Tanzen im Roboter-Gleichschritt
Etwas anders geht es in der kooperativen Mittelschule Hainburger Straße im dritten Wiener Gemeindebezirk zu. Hier bereiten sich Muamera und Israa, beide zehn Jahre alt, mit ihren Robotern "Minnie Maus" und "Feuerroby" auf ihre Teilnahme in der Dance-Liga, Alterstufe Primary, vor. Die beiden anderen Mädchen des Teams sind krank, die Mädchen und ihre Lehrer müssen daher improvisieren.
Auch hier gibt es noch ein paar Probleme mit der Technik: "Minni Maus" und "Feuerroby" verlieren abwechselnd ihren Kopf bis mit Klebstoff nachgeholfen wird. Die Choreografie der Roboter muss ebenfalls nachjustiert werden, denn bisher wurde auf einem glatten Linoleumboden geübt, beim Wettkampf müssen sich die Roboter aber auf einem Teppich beweisen. Die Mädchen müssen sich aufgrund der krankheitsbedingten Ausfälle ebenfalls neu aufstellen, nach zwei Stunden Probe klappt der gemeinsame Tanz aber schon erstaunlich gut.
Ein Monat für die gesamte Umsetzung
Im Gegensatz zu den 17-jährigen Teilnehmern aus Zeltweg hatten die vier Erstklasslerinnen der kooperativen Mittelschule nur einen Monat Zeit, um sich auf die Qualifikation vorzubereiten. In diesen vier Wochen haben sie ihre insgesamt drei Roboter gebaut, die Software aus den diversen vorgefertigten Bauteilen "programmiert" und sich die Choreografie ihres gemeinsamen Tanzes ausgedacht - und das in ihrer Freizeit. Nicht mal eine Note gibt es dafür. Warum sie trotzdem mitmachen? "Weil es Spaß macht", erklärt Muamera. Sie würde auch zuhause noch üben.
Unterstützt werden sie von Karl Rieder, er hat das Projekt mit Hilfe des Zentrums für Interaktion, Medien und soziale Diversität, kurz Zimd, umgesetzt, und Christiane Koci. Zimd hat die Roboterbausätze, ebenfalls aus der Lego Mindstorms Reihe und von Microsoft und Oracle gesponsert, zur Verfügung gestellt und die Lehrer im Rahmen des Roberta-Programms, mit dem Mädchen näher an Technik herangeführt werden sollen, ausgebildet.
"Das beste Alter ist zwischen zehn und zwölf"
In einem solchen Workshop sind auch die Mädchen das erste Mal mit den Robotern in Berührung gekommen und waren laut eigenen Aussagen umgehend begeistert. Das lustigste sei dann auch das Bauen der Roboter gewesen, sagen beide. "Das Alter zwischen zehn und zwölf ist laut Studien die beste Zeitpunkt, um Mädchen für Technik zu interessieren", erklärt Andreas Landl von Zimd. "Später sind sie oft durch schlechte Erfahrungen bereits frustriert."
Begeisterung bei Kindern und Lehrern
Rieder und Koci geht es wie Matetschläger grundsätzlich nicht ums gewinnen, sondern ums dabei sein, dafür bringt Rieder die Kinder am Samstag in seiner Freizeit, in der er überhaupt das ganze Projekt macht, selber zur Ausscheidung. "Ich bin einfach begeistert, dass die Mädchen immer noch dabei sind. Das ist in dem Alter ja nicht ganz einfach." Nach zwei Stunden lässt bei Muamera und Israa allerdings merkbar die Konzentration nach und die Lehrer schicken sie nach Hause, bleiben aber selbst noch da, um die weitere Orgranisation für das Wochenende zu besprechen.
Die Frage, ob sie später auch noch mit Robotern zu tun haben möchten, überfordert die Mädchen - mit zehn Jahren ist das zugegebenermaßen auch eine recht schwierige Frage. Auf die Fotos der Rescue-Roboter aus Zeltweg reagieren sie aber mit sichtlicher Begeisterung: "Das ist cool. Können wir auch so was bauen?"
(futurezone/Nadja Igler)