© Fotolia/Monkey Business Images, Familie vor dem Fernseher

The Auteurs: Programmkino im Netz

BEWEGTBILD
19.06.2009

Die Video-on-Demand-Plattform The Auteurs verbindet Arthausfilme mit Social Networking. ORF.at hat Efe Cakarel, den Gründer der Online-Film-Community, zum Filmvertrieb im Netz und zu den Chancen von Online-Veröffentlichungen für unabhängige Filmemacher befragt.

Begonnen hat alles in Tokio. Der aus der Türkei stammende und in den USA lebende Computerentwickler und Investmentbanker Efe Cakarel saß mit seinem Laptop in einem Cafe und wollte sich "In the Mood for Love" von Wong Kar-Wai ansehen. Im Netz suchte er jedoch vergeblich nach dem Film. Daraufhin beschloss Cakarel kurzerhand, selbst dafür zu sorgen, dass Filme, die üblicherweise nur in Programmkinos oder auf Festivals laufen, auch im Internet abgerufen werden können.

2007 gründete er die Online-Filmplattform The Auteurs und nahm Kontakt zu Vertriebsunternehmen auf. "Kaum jemand wollte damals seine Filme zum Streaming zur Verfügung stellen", erinnert sich Cakarel.

Erst als nach hartnäckiger Überzeugungsarbeit Cakarels die Vertriebsfirmen The Criterion Collection, Celluloid Dreams und Costa Films als strategische Investoren bei dem im Silicon Valley ansässigen Start-up einstiegen, war der Bann gebrochen.

Cakarel (im Bild ganz links) mit dem Team der Online-Filmplattform The Auteurs im kalifornischen Palo Alto.

500 Filme im Angebot

Heute sind rund 500 Filme von unabhängigen Filmemachern und zahlreiche Filmklassiker wie Buster Keatons "Der General" und David Lynchs "Inland Empire" in HD-Qualität von der Plattform abrufbar. "Bei den Vertrieben scheint sich langsam die Meinung durchzusetzen, dass Video on Demand die Zukunft ist", meint Cakarel gegenüber ORF.at.

Seit kurzem kooperiert The Auteurs auch mit Martin Scorsese World Cinema Foundation. Im Rahmen der Zusammenarbeit, die bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes bekanntgegeben wurde, können noch bis Ende August Filmklassiker aus der Türkei, dem Senegal, Marokko und Südkorea kostenlos angesehen werden.

Fünf Euro pro Film

Für andere Titel werden fünf Euro veranschlagt. Dafür können die ausgewählten Filme sieben Tage lang abgerufen werden. Alternativ dazu bietet The Auteurs auch Abomodelle. So kann etwa für 18 Euro im Monat unbegrenzt auf den Katalog zugegriffen werden. Für zehn Euro können vier Filme, für sechs Euro zwei Filme monatlich ausgewählt werden.

Regionale Begrenzungen

Nicht alle der auf The Auteurs angebotenen Filme sind jedoch überall verfügbar. Aufgrund von Lizenzvereinbarungen steht das Gros der Filmbibliothek derzeit nur US-Nutzern zur Verfügung. Auch das Repertoire an Filmklassikern nimmt sich noch bescheiden aus. "Die Studios verdienen noch ganz gut mit Verkauf von Fernsehrechten", erläutert Cakarel, "sie haben Angst, dass Online-Verträge diesen lukrativen Einkommensquellen in die Quere kommen könnten."

Facebook für Filmgeeks

Neben dem Streaming von Filmen bietet die Plattform ihren Nutzern auch ein Filmmagazin und jede Menge Raum zum Austausch. Sie können Profile anlegen, Filme bewerten und rezensieren und in Foren diskutieren. So ist rund um das Online-Filmangebot eine lebhafte Community entstanden, fast so etwas wie ein Facebook für Filmgeeks.

Derzeit zählt die Plattform rund 75.000 registrierte Nutzer weltweit. Der Austausch in der Community sei eine großartige Möglichkeit für Vertriebe, ihre Filme bekanntzumachen, erläutert Cakarel: "Vor allem dann, wenn sie nicht über große Werbebudgets verfügen."

Filme im Netz

Streams von Filmen können hierzulande etwa über die Angebote Joost und Babelgum abgerufen werden. Letzteres veranstaltet auch ein eigenes Online-Filmfestival. Microsoft streamt auf seiner Plattform MSN Movies auch für deutschsprachige Nutzer Filme. T-Mobile bietet unter free.videoload.de ein in Richtung Trash tendierendes Filmangebot zum Stream an. Die in den USA erfolgreiche Plattform Hulu ist für Nutzer außerhalb der Staaten noch nicht verfügbar. Auch YouTube wird sein geplantes Angebot an Spielfilmen vorerst nur US-Nutzern anbieten.

Avantgardefilme gibt es unter anderem beim Online-Pionier UbuWeb. Ein überschaubares Angebot an englischsprachigen Dokumentarfilmen bietet die US-Streaming-Plattform Snagfilms.

Zahlungsbereitschaft gering

Die Zahlungsbereitschaft der Community hält sich jedoch in Grenzen. Der Großteil der User diskutiert lieber über "Mulholland Drive" & Co, anstatt für das Streaming der Filme zu bezahlen. "Die Leute sind es nicht gewöhnt, für Filme online Geld auszugeben", meint Cakarel.

Sponsoren gesucht

Über kurz oder lang sollen die Titel kostenlos über die Plattform abrufbar sein. Dazu suchen Cakarel und sein Team nach Sponsoren für einzelne Titel und Programmreihen. An Werbeeinschaltungen während der Filme ist dabei aber nicht gedacht: "Wir mögen keine Filme, die von Werbung unterbrochen werden."

Dass Plattformen wie The Auteurs den Kinobesuch ersetzen werden, glaubt Cakarel nicht. "Filmliebhaber werden die große Leinwand immer dem Computer- und dem TV-Bildschirm vorziehen", ist er überzeugt. Viele der Filme, die auf der Plattform zu sehen seien, würden jedoch nur in sehr wenigen Kinos gezeigt. "Selbst wenn Sie neben einem Programmkino wohnen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Filme, die sie sehen wollen, gerade nicht gezeigt werden", gibt Cakarel zu bedenken. "Wir glauben aber, dass Video-on-Demand in absehbarer Zeit den DVD-Verleih ersetzen wird."

Ziel: Filme zum Kinostart auch online

Gemeinsam mit Vertriebsfirmen arbeitet der Gründer daran, dass Filme gleichzeitig zum Kinostart auch auf The Auteurs abgerufen werden können. "Wir glauben, dass die simultane Veröffentlichung im Kino und online vor allem kleinen unabhängigen Filmen, die nur mit wenigen Kopien in die Kinos kommen, zu höheren Einnahmen verhelfen."

Bis es so weit ist, hat Cakarel aber noch viel Überzeugungsarbeit bei den Vertriebsfirmen zu leisten. Denn "In the Mood for Love", der Film, dessentwegen er die Plattform ins Leben gerufen hatte, ist aufgrund fehlender Vertriebsrechte über The Auteurs noch immer nicht abrufbar.

Mehr zum Thema:

(futurezone/Patrick Dax)