Telekom Austria sieht in OTE-Deal Vorteile
Die Telekom Austria will sich einen Einstieg bei der Hellenic Telecom [OTE] "sehr genau ansehen". TA-Chef Boris Nemsic sieht aber viele Gemeinsamkeiten. Athen hat mittlerweile grünes Licht für einen Anteilsverkauf von 20 Prozent gegeben.
In einem Interview mit dem am Freitag erscheinenden Magazin "Format" verwies Nemsic auf den gleichen regionalen Fokus und die ähnliche Unternehmensstruktur der Telekom Austria [TA] und Hellenic Telecom.
"Es ist deshalb geradezu unsere Pflicht, uns damit zu befassen", so Nemsic. Sowohl TA wie auch OTE befinden sich noch teilweise im Staatsbesitz.
"Von einem Merger ist nicht die Rede"
Dass das Zusammengehen durch einen gleichwertigen Einstieg des einen Telekom-Unternehmens beim jeweils anderen erfolgen könnte, glaubt der TA-Boss nicht: "Nach heutigem Wissensstand will die griechische Regierung rund 20 Prozent verkaufen. Von einem Merger ist nicht die Rede."
Griechenland hält sich zu einem Zusammenschluss seines größten Telekomanbieters mit der TA bedeckt, hat aber inzwischen offiziell seine Verkaufspläne bestätigt.
Der Staatsanteil an der OTE beträgt 38,7 Prozent. Im Gespräch ist derzeit, dass die Griechen ihre übrigen staatlichen Anteile im Rahmen eines "Share-Deals" als Sacheinlage in die TA-Gruppe einbringen und gegen TA-Aktien tauschen könnte.
20 Prozent der OTE zum Verkauf
"Das primäre Ziel der griechischen Republik ist, bis zu 20 Prozent von OTE an einen strategischen Partner zu verkaufen, der sich am Management des Unternehmens beteiligen wird", hieß es in einer schriftlichen Reaktion des Büros von Finanzminister George Alogoskoufis.
Die Privatisierungsberater der griechischen Regierung seien bereits "mit mehreren europäischen Telekom-Organisationen in Kontakt" gewesen. Ob auch die TA darunter gewesen sei, wolle man nicht bestätigten.
Auch zur Frage einer Verlegung des Headquarter für das Auslandsgeschäft nach Österreich und zu einem möglichen Tausch der übrigen staatlichen OTE-Aktien in Telekom Austria-Aktien im Rahmen eines "Share-Deals" hielten sich die Griechen bedeckt. Nachdem der Privatisierungsprozess im Laufen sei, könne man sich zu weiteren Details nicht äußern, so die Begründung.
Die Finanzberater würden in den nächsten Wochen den Kontakt mit den potenziellen Investoren vertiefen und bis Ende Februar neue Informationen vorlegen. Danach würden die in die Privatisierung eingebundenen Ministerien die Situation analysieren und weitere Schritte festlegen, erklärte das Finanzministerium.
"OTE brächte Vorteile"
Nemsic sieht als Vorteil eines Einstiegs der TA bei OTE vor allem eine künftige gemeinsame Einkaufsplattform. "Wenn das Einkaufsvolumen doppelt so groß ist, können wir wirklich Geld einsparen oder kreieren. Eine Verdoppelung der Volumina gemeinsam mit der OTE brächte dementsprechende Vorteile", wird er zitiert.
Zur Diskussion über eine weitere Privatisierung der TA - an ihr hält der Staat derzeit 25,18 Prozent - meinte Nemsic: "Ich glaube, dass wir jetzt eine sehr gute Eigentümerstruktur haben, mit der wir erfolgreich handlungsfähig sind."
In den vergangenen Tagen hatte es zwischen den neuen Regierungspartnern SPÖ und ÖVP unterschiedliche Meinungen darüber gegeben, ob die TA noch weiter privatisiert werden soll. Die SPÖ lehnt das ab, die ÖVP hat eine weitere Privatisierung zuletzt nicht ausgeschlossen.
(APA)