Konsolidierung bei Österreichs Providern
Die Einstellung des österreichischen Internet-Zugangsgeschäfts der Deutschen Telekom-Tochter T-Online kommt für den Generalsekretär des österreichischen Verbands der Internetserviceprovider [ISPA], Kurt Einzinger "nicht ganz" überraschend.
Für das Überleben eines Internetanbieters sei das private Zugangsgeschäft zu wenig, meint Einzinger. Wirkliches Geld verdienen könnten Internetanbieter nur mit zusätzlichen Dienstleistungen wie Telefonie oder mit Geschäftskunden. "Mit dem reinen 'Dial-up-Geschäft' verdienen Provider fast gar nichts", meint Einzinger.
Auf dem österreichischen Internetmarkt hat es laut Einzinger aber bisher nicht so viele Übernahmen und Konkurse gegeben wie ursprünglich erwartet. Vor allem im WLAN-Bereich sei eine Vielzahl von neuen, sehr kleinen Internetprovidern entstanden.
Marktführer bei privaten Internet-Kunden in Österreich ist nach wie vor die Telekom Austria [TA], daneben bieten auch UTA, Inode, Tiscali, eTel, Nextra, Tele2 sowie Kabelnetzbetreiber Provider-Dienste an. Daneben gibt es auch noch viele größere und kleinere lokal tätige Internetbetreiber sowie eine Reihe von nicht kommerziell tätigen Internetanbietern wie etwa die Universität Wien.
300.000 DSL-Kunden in ÖsterreichT-Online verläßt den Markt
T-Online, der nach eigenen Angaben größte europäische Internet-Anbieter, gab heute überraschend bekannt, sich weitgehend aus Österreich zurück zu ziehen.
Die Internet-Tochter der Deutschen Telekom [DT] wird Ende nächsten Monats ihre Dienste als Provider in Österreich dreieinhalb Jahre nach dem Start wieder einstellen.
Der österreichische Markt sei "auf Grund der Größe und der Marktsituation nicht mehr attraktiv" gewesen, sagte ein Sprecher der deutschen Konzernzentrale.
T-Online empfiehlt in dem Kundenschreiben den Wechsel zum Konkurrenten UTA, mit dem der Konzern heute eine neue Kooperation vereinbart hat.
Betroffen sind davon nach Stand 2002 rund 200.000 Kunden, aktuelle Zahlen wollte T-Online nicht bekannt geben.
Die Verträge mit den Kunden sollen mit 30. Juni gekündigt werden. Ein entsprechendes Informationsschreiben ist am Montag an die Kunden verschickt worden.
T-Online.at stellt Provider-Service ein"Richtig und sinnvoll"
UTA-Vertriebschefin Alexandra Reich, die erst Anfang März von T-Online zur UTA gewechselt ist, hält die Einstellung für "richtig und absolut sinnvoll". T-Online sei in Österreich "relativ spät" auf den Markt gekommen. In dem engen Marktumfeld sei es nicht einfach gewesen, organisch zu wachsen, meinte Reich.
Österreich spielte mit 1,75 Mio. Euro Umsatz [laut KSV] im Konzern schon im Vorjahr eine eher untergeordnete Rolle. Europaweit hatte der Konzern nach eigenen Angaben zu Jahresbeginn mehr als 13 Mio. Kunden. An dieser Kundenbasis wird sich durch die Schließung des Österreich-Betriebs nichts ändern.
Die UTA kooperiert mit der Deutschen Telekom bereits im Netzwerk- und im IT-Bereich. Eine vollständige Übernahme der UTA durch die Deutschen ist laut Reich "im Moment aber sich kein Thema". Es gebe keine konkreten Gespräche, heißt es in Wien.
Die Deutsche Telekom wollte diesbezügliche Spekulationen nicht kommentieren. Nach den jüngsten Entwicklungen wurde aber auch in Konzernkreisen in Bonn eine Übernahme der UTA als unwahrscheinlich bezeichnet. Derzeit hat die UTA rund 350.000 Internetkunden.
DT will nicht bei UTA einsteigenKonzentration auf Online-Portal
Von der Einstellung des Zugangs-Bereichs in Österreich sind vier Mitarbeiter betroffen. Die übrigen rund 30 Mitarbeiter von T-Online.at werden sich künftig auf das österreichische Portalgeschäft konzentrieren, dass bestehen bleibt und auch ausgeweitet werden soll. Neben t-online.at wird das Unternehmen künftig etwa auch die UTA-Website betreuen.