30.09.2004

US-VISIT

Aufrüstung für digitale Fingerabdrücke

Seit Donnerstag werden auch allen Reisenden aus EU-Staaten nach der Landung in den USA zwei Fingerabdrücke abgenommen.

Um die großen Mengen an Daten auch verarbeiten zu können, hat das US-Ministerium für Heimatschutz noch in der vergangenen Woche eine große Zahl von einschlägigen Experten angeheuert.

Ein Auftrag im Wert von 25 Mio. USD ging im Rahmen des US-VISIT-Programms [US Visitor and Immigrant Status Indicator System] an die US-Firma DigitalNet.

Großteils aus der Pension zurückgeholte Fingerabdruck-Experten des FBI werden im Western Identification Network in San Diego und im Biometrics Support Center Washington jene Fälle bearbeiten, bei denen die Abfrage in der IDENT-Datenbank des FBI mit unklaren Resultaten endete.

Heterogene Datensätze

Bei durchschnittlich acht Prozent aller Überprüfungen versagt die Software, worauf dann Menschen herangezogen werden, die den Fall manuell überprüfen müssen.

Die Schwierigkeit liegt an der Heterogenität der Datensätze in der IDENT-Datenbank des FBI. Ein Gutteil der geschätzten 60 Millionen Datensätze besteht aus eingescannten Abdrücken aller zehn Finger auf Papier.

Ein anderer Teil wiederum sind elektronisch abgenommene Zehnfingerabdrücke, die ebenfalls "aufgerollt" werden, das heißt jeder Finger wird beim Abtasten gedreht.

Verglichen werden muss das mit jeweils zwei flach aufgelegten Abdrücken der Zeigefinger, die bei der Einreise abgenommen werden. Damit neigt das System dazu, falsche Treffer ["false positives"] zu produzieren, die manuell überprüft und beurteilt werden müssen.

"Semaphore" in Großbritannien

Auch in Großbritannien soll ein ähnliches System bis Jahresende in Betrieb gehen. "Semaphore" soll in der ersten Stufe Daten der rund sechs Millionen auf "hoch riskanten" Flugrouten nach und von Großbritannien Reisenden sammeln und mit Polizei-Datenbanken von möglichen Verdächtigen abgleichen. Die Daten werden bereits beim Buchen des Flugs gesammelt.

Dem liegt das weitaus breiter angelegte Programm e-Borders zu Grunde, mit dem die britische Regierung die Sicherheitskontrollen an den britischen Grenzen verstärken will. Semaphore ist bereits seit dem Sommer in Entwicklung und soll rund 15 Millionen britische Pfund kosten.

E-Borders selbst ist fast identisch mit dem US-Programm. Ab 2008 soll e-Borders jedwede Bewegung nach und von Großbritannien weg aufzeichnen.