"Alpen-Rambos" mit Titelchancen
Im Juni findet nicht nur die Euro 2008 statt. Bei der Euroby 2008, der Europameisterschaft im Roboterfußball, treten in Linz und Zürich Teams aus neun Ländern gegeneinander an. Die österreichischen Robokicker zählen dabei zu den Favoriten.
Während die österreichische Fußball-Nationalmannschaft bei der Euro 2008 voraussichtlich wenig zu lachen haben wird, blicken die heimischen Robokicker zuversichtlich auf ihre Europameisterschaft, die Euroby 2008, die parallel zur Fußball-EM vom 15. bis 22. Juni in der Schweiz und Österreich stattfindet.
"Wir rechnen mit Stockerlplätzen in ein bis zwei Klassen", sagte der österreichische Teamchef und TU-Professor Peter Kopacek bei der Präsentation des Wettstreits der Roboterfußballer am Mittwoch in Wien. In Zürich und Linz werden sich Teams aus neun Ländern in insgesamt sieben Kategorien messen.
Bei der Euroby 2008 werden Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, dem Kosovo, Kroatien, Österreich, Russland, Slowenien und der Slowakei sowie Gastteams aus Kanada, Südkorea, Taiwan und Singapur zu sehen sein. Nach der Vorrunde in Zürich [15. bis 17. Juni] findet die Finalrunde von 19. bis 22. Juni in Linz statt.
Die Spielkategorien reichen von "Mirosot" [Micro Robot Soccer Tournament] bis hin zu "Large League". Sie unterscheiden sich durch die Größe der Roboter, etwa mit 7,5 Zentimeter Kantenlänge, die Spielerzahl pro Mannschaft [fünf oder elf] und die Größe des Spielfelds [zwischen vier und elf Quadratmeter].
Austro-Kicker Weltspitze
Kopacek ist nicht ohne Grund optimistisch. Die heimischen Roboterfußballer spielen seit Jahren an der Weltspitze mit. In der Narosot-Spielklasse, bei der jeweils fünf Roboter auf einem 1,3 mal 0,9 Meter großen Spielfeld antreten, ist man seit 2004 Weltmeister. Auch in den anderen Spielklassen können die heimischen Robokicker auf Erfolge verweisen.
Die österreichischen Roboterfußballer werden offenbar auch wegen ihrer robusten Bau- und Spielweise gefürchtet. "Wir gelten als 'Alpen-Rambos'", meinte Kopacek.
"Schnelle Bildverarbeitung"
Im Unterschied zu den menschlichen Kickern sind Roboterfußballer würfelartige Gebilde, die von einem Zentralrechner ferngesteuert werden. Über dem je nach Kategorie unterschiedlich großen Spielfeld wird eine Kamera angebracht, die 120-mal pro Sekunde Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung der Bots an den Rechner übermittelt, der dann über die nächsten Spielzüge entscheidet. "Das Ganze beruht auf sehr schneller Bildverarbeitung", so Kopacek.
"Hightech-Unsinn"
Der berühmte Satz des ehemaligen österreichischen Teamchefs Hans Krankl - "Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär" - gilt für die Robokicker nur bedingt. "Für uns ist dieser Hightech-Unsinn eigentlich nur eine relativ preiswerte Testumgebung für industrielle Anwendungen", sagte Kopacek, der bereits 1997 an der TU Wien mit Roboterfußball-Exhibition-Spielen begann.
Getestet werden unter anderem Bahnplanung und -verfolgung, Bildverarbeitung und Hardware, die in industriellen Produkten zur Anwendung kommen sollen.
Ein solches Produkt ist der Landminensuchroboter HUMI, der von der TU Wien Mitte Jänner präsentiert wurde. "Da ist sehr viel Software und die komplette Hardware von den Roboterfußballern drinnen", so Kopacek.
Fanmeile und Workshops
Die Parallele zur Fußball-Europameisterschaft suchen die Veranstalter der Euroby nicht nur zeitlich und geografisch. Auch im Rahmenprogramm kann sich die Roboter-EM durchaus mit der Euro 2008 messen.
In Linz, wo im alten Rathaus und der Kunstuniversität der österreichische Teil der Euroby über die Bühne gehen wird, ist in Zusammenarbeit mit der Ars Electronica eine Fanmeile geplant. In Workshops und Performances soll darüber hinaus das Thema Robotik den Besuchern spielerisch vermittelt werden, kündigte Martin Honzik vom Mitveranstalter Ars Electronica an.
Konkurrenz für das Nationalteam
In Linz werden auch auch die "Hurosots" zu sehen sein. Die zweibeinigen, menschenähnlichen Roboter können noch nicht wirklich Fußball spielen und haben laut Kopacek Probleme, "sich länger als zwei Minuten in der Senkrechten zu halten".
Dem heimischen Fußball-Nationalteam sollten sie nach Meinung des Roboterfußballpioniers dennoch bald Konkurrenz machen können: "2015 schlagen elf zweibeinige Roboter die österreichiche Nationalmannschaft, wenn sich die nicht dramatisch verbessert", prophezeite Kopacek. "Für Brasilien brauchen wir wahrscheinlich bis 2022."
(futurezone | Patrick Dax)