Mehr Bewusstsein für den Web-Umgang

zwischenbilanz
03.07.2008

Im Rahmen der "Internetoffensive Österreich" hat am Donnerstag der Arbeitskreis "Sicherheit und Konsumentenschutz" zum Round Table in Wien eingeladen.

Bereits im März war die Kampagne medienwirksam gestartet - mit dem Ziel, Österreich im IKT-Bereich nach vorne zu bringen. In sechs Arbeitskreise aufgeteilt, sollen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Interessenverbänden bis Oktober eine "Internet-Deklaration" erstellen.

Der Arbeitskreis "Sicherheit und Konsumentenschutz" präsentierte nun ein erstes Zwischenergebnis und die wichtigsten Themen. E-Commerce spiele dabei eine wichtige Rolle, sagte Tele2-Rechtsexperte Andreas Koman: "Es mangelt an Rechtsinformation und -beratung." Ein entsprechendes Webportal solle da Abhilfe schaffen und die Konsumenten aufklären. Zudem sei eine Vereinheitlichung des Rechts auf EU-Ebene nötig, wie es auch EU-Konsumentenschutzkommissarin Meglena Kuneva jüngst gefordert hat.

"User vor sich selbst und anderen schützen"

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Arbeitskreises sei der Datenschutz, unterstrich RTR-Chef Georg Serentschy. Dabei gelte es in erster Linie den User vor sich selber zu schützen und Aufklärung darüber zu betreiben, wie mit Nutzerdaten umgegangen wird.

Weiters sei es auch wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, "dass das Internet ein langes Gedächtnis hat". Vor allem Jugendliche würden oft zu viel über sich preisgeben, was sie später bereuen könnten. Nach Rechtsansicht gebe es dabei in gewissen Fällen zwar einen Löschanspruch, was in der Praxis des World Wide Web aber oft nicht durchführbar sei.

Zudem komme der Schutz vor dem Staat - einer Güterabwägung zwischen öffentlichem Interesse und persönlichem Datenschutz.

Die einzelnen Arbeitskreise

Geleitet werden die einzelnen Arbeitskreise von Experten aus Wirtschaft und Bildung: UPC-Geschäftsführer Thomas Hintze steht dem Arbeitskreis "Generationen und Bildung" vor, Rene Tritscher von der Wirtschaftskammer leitet "Wirtschaft, Infrastruktur und E-Government", Kemler engagiert sich für "Gesundheit und Soziales", Matthias Grandosek von der AK Wien für "Sicherheit und Konsumentenschutz".

Der Bereich "Wissenschaft und Forschung" unterliegt Peter Rastl von der Universität Wien, Fischer nimmt sich "Kultur und Medien" an.

Jugendschutz vs. Zensur

Das Thema Jugendschutz strich auch Roland Türke, Präsident des Verbands der heimischen Internet Service Provider [ISPA], hervor: "Das Netz ist ein öffntlicher Raum, und jeder Teilnehmer muss für Sicherheit sorgen." Kinder- und Jugendschutz dürfe aber nicht missbraucht werden, um überbordende Maßnahmen wie Filterverpflichtungen, Content-Monitoring und -Blocking durchzusetzen, wie es derzeit versucht werde.

Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung und die in Frankreich angestrebte Internet-Sperre für Urheberrechtsverstöße hätten zudem die Folge, dass das Vertrauen ins Netz sinke. Zudem fänden Verbrecher immer Mittel und Wege, um diese Maßnahmen zu umgehen.

Plattform für ein sicheres Netz

Weiterer Diskussionspunkt war das Thema Netzintegrität als Grundlage für das Vertrauen der Nutzer. "Mittels international korrdinierter Kommunikation und Zusammenarbeit solle ein 'Web of Trust' geschaffen werden", betonte Alexander Moderc von One.

Konkret werde der Ausbau des österreichischen Computer Emergency Response Team [CERT] gefordert.

Bis Oktober sollen alle diese Themen in eine Internet-Deklaration fließen und an die Regierung übergeben werden. Auf die Frage, ob mögliche Neuwahlen die Effektivität der Kampagne mindern würden, sagte Andreas Koman: "Das Ergebnis wird ein Maßnahmenkatalog sein - unabhängig von der politischen Landschaft."

(futurezone | Nayla Haddad)