Erneut Diskussion über Handystrahlung
Seit Jahren schon gibt es unter Experten einen Streit darüber, ob die Strahlung von Handys und Mobilfunkstationen dem menschlichen Organismus schadet oder nicht.
Obwohl sich mit dieser Frage bereits zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen, steht eine verbindliche Antwort noch aus. Unstrittig ist, dass die von Sendeanlagen, Handys und so genannten DECT-Schnurlostelefonen verwendete elektromagnetische Strahlung das Körpergewebe erwärmen kann.
Entsprechende Grenzwerte sollen mögliche Schäden durch diese thermische Wirkung verhindern. Die Einschätzung der nicht thermischen Wirkung entzweit jedoch Wissenschaftler sowie Ärzte.
Eine aktuelle Studie zeigt zwar den positiven Einflussder Strahlung auf die Aggressivität von Krebszellen, bringt aber kaum Erfahrungswerte für den Alltag.
"Freiburger Appell"
"Wir wissen schon viel zu viel", so Barbara Dohmen,
Mitinitiatorin des "Freiburger Appells". Rund 200 Ärzte haben sich
bisher in dem im Oktober veröffentlichten Aufruf gegen einen
Netzausbau ausgesprochen und eine drastische Senkung der
Strahlungsleistung von Handys, Mobilfunksendern und DECT-Telefonen
gefordert.

Beobachtungen aus dem Alltag
Die Mediziner begründen das mit Beobachtungen aus der Praxis: Immer häufiger würden sie Krebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle bei immer jüngeren Patienten sowie chronische Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Ohrgeräusche und Lernstörungen bei Kindern feststellen. Immer häufiger zeige sich dabei ein zeitlicher und räumlicher Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlung.
Doch Erfahrungsberichte von Ärzten sind oft nicht geeignet, ursächliche Zusammenhänge festzustellen, heißt es in einer Studie der deutschen Strahlenschutzkommission [SSK] aus dem Jahr 2001. Sie seien nicht objektiv und wiederholbar und erfüllten daher nicht die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit.
Kritiker meinen zudem, dass die genannten Zivilisationskrankheiten auch andere Ursachen wie etwa Stress und falsche Ernährung haben könnten.
Schwer durchführbare Studien
Selbst den Standards genügende Arbeiten hätten bisher lediglich
Hinweise auf mögliche Risiken geben können, so die SSK.
Epidemiologische Untersuchungen hätten oft Mängel bei der Bestimmung
der aufgenommenen Strahlungsdosis und seien daher meist wenig
belastbar, so die Biologin Anne Dehos vom deutschen Bundesamt für
Strahlenschutz.

Wachstum von Krebszellen im Labor
Bei an Tieren oder Zellkulturen gewonnenen Erkenntnissen stellt sich dagegen das Problem der Übertragbarkeit: Laut einer italienischen Studie kann die Mobilfunkstrahlung beispielsweise im Labor Leukämiezellen zum Wachstum anregen. Was das jedoch für gesunde menschliche Zellen bedeutet, konnten die Forscher nicht beantworten.
Der SSK zufolge haben sämtliche bisherigen Untersuchungen "keine statistisch nachweisbare Assoziation zwischen Krebs im Kopfbereich und Nutzung eines Mobiltelefons gezeigt".
Effekte seien bisher nur an künstlichen Schrankenmodellen beobachtet worden. Da die Schrankenfunktion jedoch thermisch beinflussbar ist, empfiehlt die SSK weitere Untersuchungen.
Multinationale WHO-Studie
Genauere Erkenntnisse über die Wirkung der Mobilfunkstrahlung
soll eine multinationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO
bringen. Die Ergebnisse werden jedoch nicht vor 2004 vorliegen.

Auch Japan diskutiert
Unterdessen haben in Japan die Handyhersteller auf die auch dort immer heftiger geführte Diskussion über mögliche Auswirkungen reagiert.
NTT DoCoMo, J-Phone, KDDI und Tu-ka Cellular Tokyo haben gemeinsam eine Studie über die tatsächlichen Auswirkungen von Handystrahlung in Auftrag gegeben.
Untersucht werden die Auswirkungen auf Zellen und Erbgut, erste Ergebnisse sollen allerdings erst in vier Jahren vorliegen. Um die Unabhängigkeit der Studie zu gewährleisten, werden die Experimente vom Mitsubishi Chemical Savety Institute durchgeführt, so ein Sprecher von DoCoMo.