Big Brother Awards USA an FBI und Microsoft
"We'll name them and we'll shame them" donnerte ein in Frack und
Zylinder erschienener Simon Davies vom Rednerpult in den grossen Saal
des Washingtoner Omni Shoreham Hotels, das Publikum quittierte dies mit
offener Begeisterung. Im Rahmen der Konferenz "Computers, Freedom,
Privacy and the Internet 1999" wurden am Mittwoch nach britischem
Vorbild erstmalig die "Big Brother Awards USA" vergeben - Preise, die der
Gewinner gewöhnlich nicht haben will.
Die Statuetten materialisierten die Idee, Firmen und Institutionen
"auszuzeichnen", die das Recht des Individuums auf Privatsphäre verletzt
haben, durchaus drastisch: die Preise stellen einen Stiefel,
der auf den Kopf eines liegenden Menschen tritt, dar.
Davis, Lektor an der London School of Economics und Direktor der
Bürgerrechtsorganisation Privacy International, machte seinem Ruf, kein
Blatt vor den Mund zu nehmen, alle Ehre und bezeichnete das FBI, Gewinner des
"Big Brother Lifetime Awards" für permanente Verletzung der Menschenrechte "als grösste existierende Parasitenorganisation
auf amerikanischem Boden".
Nicht unerwartet war ein Repräsentant des FBI genausowenig erschienen,
wie Vertreter der US Ministeriums für Industrie und Handel [FDIC] oder der
gleichfalls ausgezeichneten Firma Elensys. Einzig der Quasi-Monopolist
Microsoft, der den Publikumspreis [People's Choice Arward] für die
Bespitzelung von Kunden souverän für sich entscheiden konnte, hatte
einen Mitarbeiter entsandt.
Kurz war der Auftritt, wacklig die Stimme, die Besserung gelobte - das
Publikum, eine Mischung aus amerikanischen Intellektuellen,
Industrievertretern, PR-Lobbyisten und digitalen Bürgerechtlern der Global
Internet Liberty Campaign aus fünf Kontinenten, quittierte es mit Applaus.
Die positive Seite: Ein "Brandeis Preis", symbolisiert durch einen Hammer,
benannt nach Louis Brandeis, der in den 20ern Jahren federführend an
Konsumenten- und Datenschutzgesetzen beteiligt war, wurde an den PGP-
Erfinder Phil Zimmermann verliehen. Der zweite ging an Diana Mey, die
einen jahrelangen Prozess gegen die telefonischen Direkt-Marketingattacken des US-Einzelhändler Sears erfolgreich durchgefochten hatte.
"Wir haben eine Recht darauf, in Frieden gelassen zu werden. Wir
haben ein Recht auf Ruhe, wenn wir Ruhe wollen" war die mit Standing
Ovations bedachte Kernaussage der Preisträgerin.
[Möchel]
