Musik-Krise als Chance für Indie-Labels
Bei den Branchengrößen der Musikindustrie herrscht immer noch Katerstimmung - immerhin ist der deutsche Musikmarkt im vergangenen Jahr um ein Fünftel geschrumpft.
Entlassungen von Top-Managern wie bei Universal und BMG zeigen die Anspannung, unter der die Großen stehen.
Die vielen kleinen Independent-Labels stehen den gesunkenen Verkaufszahlen gelassener gegenüber. Naturgemäß hat man mit Tauschbörsen und CD-Brennerei auch wenig Freude, allerdings wittert man angesichts der Krise der Großen eine Chance.
"Wir haben an Schlagkraft gewonnen", sagt Thees Uhlmann vom Hamburger Label "Grand Hotel van Cleef." Ob der finanziellen Schieflage der Großfirmen sei der Markteintritt für kleine einfacher geworden.
am vergangenen Dienstag ist erstmals in Deutschland ein Tauschbörsen-Anbieter verurteilt worden. Auch seitens von IFPI Österreich werden erste Klagen überlegt.
Das Urteil von CottbusSchweinhälften und Plastik-Pop
"Die Majors machen Marketing und die Indies machen Musik" so bringt Peter James vom Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen [VuT] die Dinge auf den Punkt.
Die Indie-Labels setzten auf Vielfalt, den langfristigen Aufbau von Künstlern und Trends sowie Konstanz der Verkaufszahlen - auch wenn diese vergleichsweise niedrig sind.
"Vergleicht man die Situation mit dem Geschäft an der Börse, dann zocken die einen kurzfristig mit Schweinebauchhälften, und die anderen setzen auf Rentenpapiere", sagt Alex Christensen, der 1998 das Label King-Size Records gegründet hat. Der Pop-Produzent, der 1992 mit "Das Boot" einen Nummer-Eins-Hit landete, wirft den Großen vor, dass sie durch "Plastik-Pop" und "Wegwerfkünstler" die Musik entwerteten.
