09.06.2005

STUDIE

3G lockt virtuelle Mobilfunker an

So genannte Mobile Virtual Network Operators [MVNOs], also virtuelle Mobilfunker, die keine eigene Infrastruktur errichten, sondern sich in bestehende Netze einmieten, sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch auf dem vergleichsweise kleinen heimischen Handymarkt gibt es bereits drei solche Anbieter: Tele2, Yesss und Schwarzfunk.

Mit der Mobilfunktechnik der dritten Generation [3G] soll nun eine neue Welle an virtuellen Netzbetreibern an den Start gehen: UMTS und Co. würden den virtuellen Betreibern eine Fülle von Möglichkeiten bieten, mit denen sie neue Kunden nicht nur über niedrige Preise ködern können, heißt es in einem Bericht des britischen Marktforschungsinstitutes Analysys.

Derzeit gibt es nach den Erhebungen von Analysys in Westeuropa über 100 MVNOs und über 25 in den USA, die bereits tätig bzw. kurz vor dem Launch sind. Bekannte Namen sind unter anderem Tchibo in Deutschland und Virgin Mobile in Großbritannien. Die MVNOs hätten jetzt eine Marktmacht erreicht, die nicht ignoriert werden könne, erklärte Mark Heath, Koautor der Analysys-Studie.

Billig-Downloads und Multimedia

"In Dänemark erreichen die virtuellen Netzbetreiber bereits ein Viertel aller Handykunden. In Großbritannien hat Virgin Mobile T-Mobile, seinen Host-Operator, beim Marktanteil vom letzten auf den ersten Platz gebracht. In den USA nutzen bereits 15 Anbieter das Netz von Sprint", so Heath.

Wegen der Kapazitätsbeschränkungen bei 2/2,5-G-Netzwerken haben sich die Diskonter bisher vor allem aber darauf konzentriert, günstige Preise anzubieten bei gleichzeitig teilweise stark eingeschränkten Funktionen.

3G-Netze sollten die Möglichkeiten der virtuellen Betreiber in Zukunft dagegen in Richtung Multimedia und Downloads ausweiten. Eine Reihe von neuen vrtuellen Betreibern steht bereits vor der Tür.

"Universal Musik, der TV-Sender Channel M6 und der Radiosender NRJ wollen alle in Frankreich in das Geschäft einsteigen. Disneys Sportsender ESPN wiederum plant ein MVNO-Service in den USA", erklärt ein Analyst.

Profit für "echte" Betreiber

Die Studie zeigt aber, dass auch die "Gastgeber" von der Gründerwelle bei den virtuellen Providern profitieren.

"Einen virtuellen Netzbetreiber aufzunehmen kann für Mobilfunkbetreiber, die neu auf dem 3G-Markt sind, eine gute Strategie sein, um schnell profitabel zu werden und dabei hohe Kundengewinnungskosten zu vermeiden", so die Studie.

Mobilfunkbetreiber würden sich in der Situation wieder finden, dass sie nicht nur um die Gunst ihrer Kunden, sondern auch um die Gunst der Diskonter kämpfen müssen, die ihnen Millionen von Nutzern bringen. Darüber hinaus könnten die Provider, indem sie MVNOs an Bord nehmen, ihre 3G-Kapazitäten besser ausnutzen.