Netzverwaltung ganz ohne Demokratie
Die Internet-Verwaltungsinstanz ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers] soll nach den Vorstellungen ihres Präsidenten Stuart Lynn wieder mehr Regierungseinfluss zulassen und gleichzeitig die demokratische Wahl eines Teils der Vorstandsmitglieder wieder einstellen.
Laut Lynn ist der Versuch, die ICANN ohne jeden Regierungseinfluss zu betreiben, "eindeutig gescheitert".
Hauptaufgabe der ICANN sind die Vergabe von Internet-Adressendungen und die Schaffung einheitlicher Standards. Die ICANN steht allerdings auch seit ihrer Gründung 1998 unter Dauerkritik und -reform.
Domain-Autorität ICANN unter BeschussUS-Einfluss dürfte größer werden
Nach den aktuellen Vorschlägen des ICANN-Präsidenten würde der Vorstand künftig nur noch15 statt wie bisher 19 Mitglieder haben. Von diesen sollen fünf von Regierungen entsandt werden, fünf von einem Komitee ernannt werden und der Rest von IT-Interessengruppen kommen.
Würden die Vorschläge umgesetzt, steht allerdings zu befürchten, das vor allem der Einfluss der US-Regierung stark seigen würde, da diese die Instituion letztlich ins Leben gerufen und ihre Startfinanzierung geleistet hat.
"ICANN President Recommends a Roadmap for Reform"Unausweichliche Proteste
Die Ankündigung des ICANN-Präsidenten dürfte allerdings auf heftigen Widerstand stoßen.
Michael Froomkin, Rechtsprofessor an der University of Miami und Betreiber einer Site zu Vorgängen rund um die ICANN, nannte den aktuellen Vorstoß des Präsidenten bereits "völlig fehlgeleitet".
Schon bisher wurde selbst von direkt Beteiligten der Demokratisierungsprozess der ICANN als ungenügend kritisiert. So sprach der gewählte Vorsitzende Andy Müller-Maguhn letztes Jahr noch von einer "Demokratie-Simulation".
Müller-Maguhn und andere kritisieren auch immer wieder die US-Dominanz in dem Internet-Schlüsselgremium, die nach den Plänen Lynns sogar noch zunehmen könnte.
Die ICANN und die "Mäuseschubser"
