07.03.2002

KOMPRIMIERT

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Vom Hacker-Tool zum Hollywood-Standard

Jerome Rota, besser bekannt unter dem Namen "Gej", hätte wohl nie gedacht, dass er einmal zwischen Anzugträgern und Powerpoint-Präsentationen seine Software in einem schicken Hotel im Zentrum Hollywoods vorführen würde.

Der schüchterne 28-jährige Entwickler des DivX-Codecs mit Pferdeschwanz und Geek-Brille hielt sich bei der Präsentation der neuesten Version seiner Komprimierungssoftware am Montag in Hollywood eher im Hintergrund und überließ der Geschäftsführung von DivXNetworks das Reden.

DivXNetworks und Project Mayo

Gej wurde zum gefeierten Helden unter den Raubkopier-Filmliebhabern, seit er vor zweieinhalb Jahren den ersten DivX-Codec veröffentlichte.

DivX komprimiert große Videoclips in kleine Dateien, sodass sie sich leichter über das Internet übermitteln beziehungsweise austauschen lassen. Der Name selbst [ursprünglich DivX;-)] ist eine Anspielung auf die ersten Versuche der Filmstudios, kopiergeschützte Videos auf den Markt zu bringen, damals auch unter dem Namen DivX.

Der französische DivX-Erfinder arbeitet für das inzwischen im kalifornischen San Diego ansässige Unternehmen DivXNetworks, das mit Produktions- und Online-Vertriebsfirmen über Partnerschaften verhandelt.

Die Firma ist über das "Project Mayo" mit der Parallelentwicklung von "OpenDivX" [Open Source] verbandelt.

Zwischen Online-Piraterie und Filmindustrie

Jetzt versuchen Gej und seine Kollegen, von Hollywoods schlimmstem Albtraum zum besten Freund zu mutieren - und sich mit Unternehmen wie Microsoft und RealNetworks zu verbinden, die beide engagiert nach einem Weg suchen, Videos über das Internet zu verbreiten.

Die kommerziellen Bemühungen der Unternehmen bringen DivX in Konflikt mit seinen ursprünglichen Anhängern.

Sie kritisieren die Versuche von DivX, sich kommerziell zu etablieren. Vor allem die Entscheidung, für die Pro-Version des neuen 5.0-Codecs 30 USD zu verlangen sowie die Verbindung mit dem umstrittenen Pop-up-Werbungsanbieter Gator verärgerte die User.

Zukunftsprognosen

Die Geschichte von DivX liest sich wie ein typisches IT-Märchen: Ein Programmierer perfektioniert eine bestehende Technologie, gewinnt eine Underground-Anhängerschaft und schließt sich zum Schluss mit einem geschäftserfahrenen Partner zusammen, um eine Firma zu gründen.

"Die Frage ist, was wird aus diesem Unternehmen?" sagt Ben Sawyer, Mitbegründer der Firma Digitalmill.

Er persönlich findet, DivXNetworks schlage sich wacker, wenn man bedenke, dass die Firma einigen Herausforderungen auf dem Markt entgegensehen muss - inklusive einer Kollision mit Microsoft, dem Wettbewerb mit Industriegiganten wie RealNetworks und natürlich der ständigen Wachsamkeit der Filmstudios.

Sawyer meint, es bestehe Gefahr, dass das Unternehmen aufgekauft wird oder die Kräfte es einfach verlassen. "Ich finde es schwer zu glauben, dass es in zehn Jahren noch ein Unternehmen mit dem Namen 'DivX' gibt. Man kann aber auch nicht voraussagen, was auf dem sprunghaften Videomarkt damit passieren wird."

Den DivX-Mitarbeitern ist bewusst, dass sie sich auf einem schmalen Grad zwischen Online-Piraterie und der Filmindustrie sowie zwischen dem Druck, die Geeks zufrieden zu stellen und Geld zu machen, bewegen.

Bedürfnis nach DRM sehr stark

DivXNetworks hat gerade erst eine Abmachung mit Chip-Hersteller AMD darüber getroffen, dass die Technologie in künftigen Chips inkludiert wird. Und während der ganzen Präsentation der neuen 5.0-Version bewarb das Unternehmen die Digital-Rights-Management [DRM]-Technologie des Codecs, der Filme vor dem Raubkopieren schützen soll.

In immer größerer Abweichung zu seiner Underground-Zeit arbeitet das Unternehmen bereits eng mit Filmstudios zusammen.

Gej meint dazu, dass ihm die Nachfrage nach strengen Kopierschutz-Sicherheitsvorkehrungen nichts ausmache: "Da ich auch Content schaffe, weiß ich genau, dass das Bedürfnis nach DRM wirklich sehr stark ist."