Der Cyborg als gewöhnlicher Bürger
"Die meisten Menschen sind bereits Cyborgs", so der amerikanische Kultur- und Computerwissenschafter Chris Hables Gray, der als einer der führenden Cyborg-Forscher der Gegenwart und als Schlüsselfigur in der Debatte um die politischen und kulturellen Implikationen neuer Körpertechnologien gilt.
"Jeder, der geimpft wurde, ist ein Cyborg, weil sein Immunsystem umprogrammiert wurde. Menschen mit künstlichen Gliedmaßen und Organen sind Cyborgs", meint Chris Hables Gray.
Politik in posthumanen Gesellschaften
Das Konzept des "Cyborg-Bürgers" und der "Cyborg-Gesellschaft"
bildet auch den Schwerpunkt des Buches "Cyborg Citizen", das vor
kurzem im Wiener Verlag Turia & Kant in einer deutschen Übersetzung
erschienen ist. Der thematische Bogen reicht vom Kunstherz zur
Klon-Debatte, von der Nanotechnologie zur Transsexualität, vom
Internet und Infosphären bis zur Militärtechnologie.
Cyborg CitizenCyborgisierung
"Manche Leute machen es sich zu einfach, wenn sie Cyborgisierung generell bekämpfen. Wenn es notwendig wäre, würden sie sich oder ihre Kinder genauso mit diesen neuen medizinischen Methoden behandeln lassen", so Chris Hables Gray.
"Das ist ja das Vertrackte an der Cyborgisierung: Es ist nicht nur der Versuch von Militär und Industrie, mehr Kontrolle zu gewinnen, sondern genauso auch der Versuch, uns ein besseres und längeres Leben zu ermöglichen oder ein sterbendes Kind zu retten."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Richard Brem hat mit Chris Hables Gray über sein neues Buch und
die Möglichkeiten von "Politik in posthumanen Gesellschaften"
gesprochen. Wie die Medizin tatsächlich Menschen aus Nullen und
Einsen erschafft, darum geht es im zweiten Beitrag. Thomas Thaler
besuchte eine Tagung am Hermann von Helmholtz-Zentrum für
Kulturtechnik der Berliner Humboldt-Universität mit dem Titel
¿Körper aus Zahlen - Digitale Bildgebung in der Medizin und ihre
Implikationen¿.
matrix - computer & neue medien
