Ein neuer Mobilfunker in Österreich
Der europaweit tätige Festnetz- und Internetbetreiber Tele2 steigt in Kooperation mit dem drittgrößten Mobilfunkanbieter One ins österreichische Handygeschäft ein.
Tele2 werde ab 10. Februar 2003 unter der One-Vorwahl "0699" und mit einem Tarifschema ohne Grundgebühr sein Mobilfunkangebot als reiner Wiederverkäufer von One-Services starten, kündigte tele2 Österreich-Geschäftsführer Norbert Wieser heute bei einem Pressegespräch an.
Tele2 rechne damit, dass in den kommenden Monaten 10 Prozent der insgesamt 500.000 Festnetz- und Internetkunden das Mobilfunkangebot von Tele2 nützen werden.
Freischalten und Aufladen
Das Freischalten und Aufladen des Handys erfolgt bei Tele2 über
einen Anruf bei der Gratis-Nummer 0800 30 40 200, Wertkarten gibt es
nicht. Die Aufladebeträge liegen zwischen 10 und 50 Euro, bezahlt
wird im Nachhinein über die Tele2-Telefonrechnung.
Tele2Ab 15 Cent pro Minute
Tele2-Mobilfunkkunden zahlen 35 Cent pro Minute ins Festnetz in der Geschäftszeit und 15 Cent in der Freizeit. Gespräche in alle Mobilfunknetze kosten 29 Cent, nur ins tele.ring-Netz müssen - laut regulatorischen Auflagen - 35 Cent bezahlt werden.
Abgerechnet wird im 30 Sekunden-Takt. Das Versenden einer SMS kostet 19 Cent. Auslandsgespräche sind über alle One-Roamingpartner möglich.
Als besonders "Zuckerl" werden pro angenommenen Anruf 2 Cent pro Minute gutgeschrieben - als "Belohnung der Erreichbarkeit und um den Gesprächsverkehr zu stimulieren", so Wieser. Kunden, die sich bis 31. März anmelden, erhalten einen Startbonus von 20 Euro.
Durch das Aussparen von Wertkarten spare sich Tele2 einiges an Logistik- und Druckkosten.
Das Tele2-Mobilfunkangebot könnten auch Nicht-Tele2-Kunden nutzen, für bestehende Tele2-Festnetzkunden sei das Angebot zunächst auf zwei Handys beschränkt. Tele2 vertreibt selbst zwei Handys der Marken Nokia und Siemens. Um das eigene bisherige Handy weiter nutzen zu können, müssen einmalig 29 Euro bezahlt werden.
Virtueller Netzbetreiber
Tele2 wollte bereits im Vorjahr als so genannter virtueller Netzbetreiber [MVNO] mit der Vorwahl "0688" in den österreichischen Mobilfunkmarkt einsteigen, der Telekom-Regulator verweigerte Tele2 aber die "Lizenz zum Funken".
Das neue TKG, das bis spätestens 25. Juli 2003 beschlossen werden soll, wird voraussichtlich MVNOs von der Lizenzpflicht befreien. Ein MVNO betreibt mit Ausnahme von Funkmasten und Frequenzen alles selbst, was zum Handygeschäft gehört [beispielsweise Switches und Server], und tritt mit eigener Vorwahl und eigenen SIM-Karten auf.
Ein ESP [Enhanced Service Provider] - wie derzeit Tele2 - hingegen braucht keine eigene Mobilfunklizenz, nützt ausschließlich bestehende Infrastruktur eines Lizenzinhabers sowie dessen SIM-Karten und beschränkt sich auf das Wiederverkaufen von Leistungen eines bestehenden Mobilfunkbetreibers.
Mobilkom verärgert
Die Mobilkom Austria zeigte sich heute verärgert über die Mobilfunkpläne von Tele2. "Wir prüfen rechtliche Schritte", sagte Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes. Es würden jene bestraft, die eine eigene Infrastruktur aufgebaut hätten, so Mattes. Tele2 könne als Enhanced Service Provider einfach auf ein bestehendes Netz aufsetzen, was gegenüber denen, die in eigene Infrastruktur investiert hätten, ungerecht sei.
T-Mobile und tele.ring gelassen
"Gelassen" reagierte hingegen T-Mobile Austria. Man erwarte keine neuen Produkte, sondern nur neue Tarife. Der vierte Mobilfunkbetreiber tele.ring nimmt "die weitere Konkurrenz zur Kenntnis". Mehr Wettbewerb belebe das Geschäft.
