Prodi in Telekom-Affäre belastet
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist von dem skandalumwitterten Geschäftsmann Igor Marini beschuldigt worden, während seiner Amtszeit als italienischer Regierungschef im Jahr 1997 Schmiergelder beim Erwerb einer 29-prozentigen Beteiligung an der serbischen Telekom durch die damals noch staatliche Telecom Italia kassiert zu haben.
Marini erklärte vor der Kommission, er könne beweisen, dass Prodi Schmiergelder kassiert habe. Dokumente, welche die Schmiergeldzahlung beweisen, seien in Lugano aufbewahrt. Gegen den 40-jährigen Marini ermitteln die römischen Behörden wegen Geldwäsche.
Der Geschäftsmann, der als Zeuge vor einer römischen Parlamentskommission, die wegen angeblicher Schwarzgelder rund um den Erwerb des Aktienpakets an der serbischen Telekom ermittelt, auftrat, belastete auch den amtierenden Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino, den Vorsitzenden der stärksten Oppositionspartei in Italien, und Ex-Außenminister Lamberto Dini, der derzeit als italienischer Vertreter im EU-Konvent sitzt.
Milosevics Telekom-Deal als PolitikumDer Verdacht
Gerüchte über angebliche Schmiergeldzahlungen rund um das Aktienpaket der serbischen Telekom sorgen seit zwei Jahren für Aufregung in Italien.
Die Turiner Staatsanwaltschaft hatte 2001 Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen von Seiten der Telecom Italia an das Regime des früheren jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic bei der Übernahme des Anteils der serbischen Telekom eingeleitet.
Die Untersuchung wurde auf Grund eines Berichts der römischen Tageszeitung "La Repubblica" aufgenommen, wonach Stet International, eine Tochter der Telecom Italia, 435 Millionen Euro für den Erwerb von Telekom Serbia bezahlt haben soll. Drei Prozent der gezahlten Summe sollen als Schmiergelder an Milosevic geflossen sein.
Vorwürfe zurückgewiesen
Die Vorwürfe lösten eine entrüstete Reaktion Prodis aus. Marco Vignudelle, Sprecher des EU-Kommissionspräsidenten, betonte, Prodi werde Marini wegen Verleumdung verklagen.
