Brenner als Musikindustrie-Hoffnungsträger
Im Kampf gegen rückläufige Verkaufszahlen wollen die Musikkonzerne Universal Music und Sony Music nun auch einzelne Lieder auf einer vom Kunden zusammengestellten CD verkaufen.
Für die "Individual CD" wählt der Kunde mit Hilfe eines PDA im Plattengeschäft bis zu 14 Titel per Strichcode aus. Danach bestimmt er die Reihenfolge und lässt sich die Wunsch-CD an der Kasse brennen.
Universal und Sony haben am Dienstag ein entsprechendes Pilotprojekt in einem Lübecker Medienkaufhaus gestartet. Die Kunden haben dort zunächst die Wahl zwischen 20.000 Titeln. Künftig sollten aber eine Million Stück zur Verfügung stehen. Pro Lied werden 99 Cent berechnet, hinzu kommen zwei Euro für den CD-Rohling.
Innerhalb von vier bis fünf Minuten nach dem Bezahlen könnten die so identifizierten Lieder auf eine CD gebrannt werden, teilte die Lübecker Firma IMHG mit, die Technologie und Konzept für das Pilotprojekt entwickelt hat.
Weltweiter Musikumsatz weiter gesunkenBrenner an der Tankstelle
Es gebe bereits Gespräche mit weiteren großen Mitbewerbern, sich an dem Projekt zu beteiligen, sagte Mic Jogwer, Leiter der Abteilung New Business bei Sony Music Media. Darunter seien die Musiksparten von AOL Time Warner und Bertelsmann sowie der Musikkonzern EMI.
Ziel sei es, innerhalb von sechs bis neun Monaten weitere Modellversuche in anderen Handelshäusern zu starten, sagte Jogwer.
Zwei große Handelsketten hätten bereits Interesse an einer Einführung des Konzepts geäußert, sagte unterdessen Oliver Salzmann von IMHG. Denkbar sei auch, Brenner an Tankstellen, in Hotels und Copyläden aufzustellen, an denen sich Kunden ihre CDs selbst brennen könnten.
Der digitale Musik-Download könnte nach Meinung des internationalem Phonoverbandes [IFPI] ohnehin schon bald das Ende der "klassischen" Single einläuten.
Downloads killen Musik-SinglesKäufer zurückgewinnen
Die Individual-CD sei eine Chance für den Einzelhandel, einen Teil des an das Internet verloren gegangene Umsatzes zurückzugewinnen, teilten Universal und Sony Music weiter mit.
Es bestehe nicht die Gefahr, dass die Möglichkeit, einzelne Lieder auszuwählen, den Absatz von Alben senken werde, sagte Jogwer. Konsumenten, die nur an einzelnen Liedern interessiert seien, würden sich diese Titel derzeit anders, etwa durch Raubkopien, beschaffen.
Zudem ist nach Angaben Jogwers geplant, auch bei den Individual-CDs einen Kopierschutz zu installieren. Die Anbieter müssten sich aber noch auf eine Software einigen.
IMHG zufolge ist das bei ein Mal beschreibbaren CDs allerdings "technisch nicht möglich".
