"Virtopsie" soll Autopsie ersetzen
Computer- und Magnetresonanztomographie könnten bald die Autopsie von Leichen ersetzen. Wie Wissenschaftler der deutschen Universitäten Magdeburg und Frankfurt herausfanden, liefern die bildgebenden Verfahren ähnlich gute Untersuchungsergebnisse wie das Sezieren der Toten.
In Magdeburg hatten die Forscher Dutzende Organe und 15 unsezierte Verstorbene mit Hilfe der so genannten radiologischen Virtopsie untersucht. Anschließend fand eine herkömmliche Autopsie statt. Gerichtsmediziner und Radiologen verglichen ihre Ergebnisse und stellten eine hohe Übereinstimmung fest.
Das "digitale Krankenhaus"Alte Verletzungen erkennen
In Frankfurt untersuchte eine Arbeitsgruppe mehr als 50 Leichen mit einem Multidetektor-Computertomographen."In wenigen Minuten ist der gesamte Körper gescannt", berichtet die Wissenschaftlerin Kerstin Engelmann. Dieses Bild diene dann als Grundlage für die Planung der Computertomographie.
Vorteil dieser Methode sei zudem, dass Schnitte nicht nur quer, sondern auch längs möglich seien. So würden auch kleine Frakturen der Wirbelsäule sichtbar, nach denen bei einer Autopsie kein Arzt gesucht hätte. Auch in Frankfurt entsprachen die Diagnosen mittels Virtopsie weitgehend denen der Autopsie.
Besonders bewährt hat sich nach Angaben der Experten der Einsatz des Computertomographen bei der Suche nach Fremdkörpern wie Projektilen, Gasansammlungen, aber auch zur Diagnose von versteckten Knochenbrüchen und Kindesmisshandlungen.
Länger zurückliegende, verheilte Knochenbrüche hinterließen äußerlich keine Spuren, berichtet Engelmann. Doch der Computer-Scanner mache alte, unsichtbare Verletzungen sichtbar. "Auch Gehirnverletzungen können wir erkennen, die durch heftiges Schütteln entstanden", betont die Medizinerin.
