Web-Erfinder für "semantisches Web"
Einen Vorstoß in ein neues, "intelligenteres" Web unternimmt derzeit das World-Wide-Web-Konsortium [W3C], das für die Standards im Netz zuständig ist.
Auf Vorträgen in München, Rom, London, Athen und Brüssel werben W3C-Vordenker für das "semantische Web".
In diesem "Netz der Zukunft" soll es keine weit gehend ungeordneten Text- und Bilderhalden mehr geben, die von Suchmaschinen nur ungenügend indiziert werden können. Stattdessen sollen alle wesentlichen Informationen einer Seite mit Angaben zu ihrer Bedeutung versehen werden.
Das Projekt des "semantischen Webs" heißt beim W3C "Semantic Web Advanced Development" [SWAD].
SWAD-WerbetourUnausgeschöpftes Potential
"Das Web wird sein volles Potenzial erst dann erreichen, wenn es zu einer Umgebung wird, in der Daten nicht nur von Menschen, sondern auch von automatischen Werkzeugen getauscht und verarbeitet werden können", erklären W3C-Direktor Tim Berners-Lee und der W3C-Experte Eric Miller in einem Beitrag mit dem Titel "Das semantische Web hebt ab".
Demnach sind zwei Schritte erforderlich, um semantische Web-Seiten zu erstellen: Zuerst müssen all jene Daten ausgelagert werden, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben, sondern lediglich das Layout definieren.
Anschließend müssen alle wesentlichen Daten mit Metadaten unterlegt werden - Erst wenn eine vierstellige Zahl eindeutig als Postleitzahl gekennzeichnet ist, ist sie für ein Programm nicht mehr eine beliebige Ziffernfolge, sondern eine Information mit einer klaren Bedeutung.
Vor 13 Jahren wurde das World Wide Web am Europäischen Labor für Teilchenphysik [CERN] von Tim Berners-Lee entwickelt.
Die zehn Ikonen des InternetBasis
Bausteine des semantischen Webs sind drei Standards, die zusammengehörende Daten miteinander vernetzen sollen: XML [Extensible Markup Language], URI [Uniform Resource Identifier] und RDF [Resource Description Framework].
Alle drei Standards werden in W3C-Arbeitsgruppen festgelegt und in Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen weiter entwickelt.
Das semantische Web ist bisher allerdings nur Idee einiger W3C-Aktivisten. Die Vorteile wie eine gezieltere Suche, intelligente Software-Agenten, Web-Services und anderes mehr sind aber "so überzeugend", dass sie mit einer allgemeinen, wenn auch nur sehr allmählichen Ausbreitung des semantischen Webs rechnen.
Berners-Lee und Miller sind jedenfalls voller Euphorie: "Das Aufregendste am semantischen Web ist nicht das, was wir uns alles damit vorstellen können, sondern das, was wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können."
SWAD
