03.07.2003

DEBATTE

Microsoft-Statement im O-Ton

Im folgenden dokumentieren wir die Reaktion von Microsoft-Österreich auf den Vorstoß der Grünen, für den Umstieg der öffentlichen Verwaltung Wiens auf quelloffene Windows-Alternativen.

Das Statement im O-Ton

Wir können uns der Forderung seitens Frau LtAbg. Ringler nach offenen Software-Standards nur anschließen. Offene Standards sind ein Eckpfeiler der Microsoft-Plattform und im Gegensatz zur Open-Source-Fraktion ist Microsoft neben vielen anderen kommerziellen Softwareanbietern auch ein aktiv mitarbeitendes Mitglied in den internationalen Standardisierungsgremien. Auch in der Forderung nach Transparenz des Quellcodes hat Microsoft bereits seit Jahren über das Shared Source Programm und dem korrespondierenden Government Security Programm den österreichischen Behörden den Zugang zum urheberrechtlich geschützten Quellcode gewährt. Ebenfalls eine gesicherte Erkenntnis ist, dass ein Zusammenhang zwischen frei verfügbaren Quellcode und IT-Sicherheit nicht besteht. Punkto Sicherheit sei die "Common Criteria Zertifizierung" von Windows erwähnt, welche die weltheit hochwertigste und für Regierungen international verbindliche Sicherheitsnorm darstellt und für Linux nicht vorliegt. Die dahergesagte Überlegenheit von Linux in punkto Datensicherheit ist im Übrigen auch durch nichts belegt; das Gegenteil jedoch leicht aus den aktuellen CERT-Statistiken abzulesen.

Kosten

Kommen wir zu den Kosten. Und der Frage, wieviel Steuergeld möglicherweise einer Ideologie geopfert werden soll. Speziell in einer seriösen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und einer korrekten Bewertung begleitender Faktoren ist die Kombination Windows XP/Office XP derzeit ungeschlagen. Die vielzitierte Münchener Studie zu dem Thema scheint ja äußerst interpretationsfähig zu sein. Obwohl diese Studie eigentlich ein Argumentarium für eine Pro OSS Entscheidung liefern sollte, finden sich speziell in der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einige interessante Einschätzungen, wie z.B. auf Seite sieben: Migrationskosten für "Fachverfahren" [Migration der individuellen Fachanwendungen von Windows auf Linux], welche auf 50 Mio. Euro [!] geschätzt werden. Die Kosten für nicht vorhandene PC Standardsoftware auf Linux sowie notwendige Anschaffung sog. Sonder-Hardware kommen mit jeweils1,6 Mio. Euro hinzu. Mir gefällt dabei besonders im Kapitel "Wirtschaftlichkeit" das Resümee der Gutachter: "Die Ausstattungsalternative mit Windows XP als Client-Betriebssystem und MS OfficeXP als Büroanwendung, verursacht die niedrigsten Gesamtkosten und erzielt den niedrigsten Kapitalwert." Das ist umso bemerkenswerter als die Kostenschätzung des Gutachters für die Umstellung von Windows NT auf Windows XP in dieser Studie um 175 Prozent über unserem tatsächlichen Angebot lag!

Die Rolle IBMs

Schlussendlich wird man im Zusammenhang mit dem Argument "Abhängigkeit" auch die Rolle von IBM betrachten müssen, welche derzeit massiv mit dem Marketing-Etikett "Linux" um Regierungsaufträge werben. Ein Journalist hat auf der heutigen Pressekonferenz auch die Frage gestellt: "Sehen sich die Grünen nun als Bote für IBM?" und weiter "IBM hat eine Milliarde USD in Linux investiert und ist selbst im Hardware und Services Business. Glauben Sie denn dass diese Firma ihre return on investments nicht genau berechnet hat?". Es gibt ja nicht das eine "Linux", es gibt derzeit über 230 verschiedene Distributionen und unzählige teilweise nicht miteinander kompatible Derivate davon. Speziell bei so wartungsintensiver Software wie es Linux nun einmal ist und der vielen Zusatzsoftware die von IBM für Security Management, Public Key Infrastructure etc. teuer zugekauft werden muss [bei Windows bereits enthalten] bilden sich doch innerhalb kurzer Zeit Abhhängigkeiten zum IBM-Linux-Derivat inkl. Hardware aus. Und während Microsoft Lizenzen nur etwa drei bis fünf Prozent der Gesamtkosten eines derartigen Projektes ausmachen und der Rest an Wertschöpfung eines Projektes bei lokalen Partnern im Land verbleibt, fliesst jedoch bei IBM eine weitaus größere Summe für Hardware und Dienstleistungen in die Taschen des US-Konzerns und kommt damit nicht lokalen Dienstleistungsfirmen zugute. Warum Herr Kofler von einer höheren lokalen ökonomischen Wertschöpfung bei Open Source spricht ist mir in diesem Zusammenhang auch schleierhaft, umso mehr die von ihm selbst zitierte Studie des BMWA exakt das Gegenteil aussagt nämlich eine höhere lokale Wertschöpfung für kommerzielle Software versus Open Source Software.

Resumee

Wir möchten daher das Thema Linux/OSS nicht als "Glaubensfrage" sehen, sondern werden in jedem Einzelfall unseren Kunden nach bestem Wissen darlegen, wie sie mit unseren Produkten das für sie optimale Ergebnis erzielen können. Das werden wir auch für die Stadt Wien machen.