ÖVP öffnet sich für Blogger

grassroots
20.04.2007

Die ÖVP hat erstmals zu ihrem Parteitag am Wochenende nicht nur Journalisten, sondern auch heimische Blogger eingeladen, um von dort zu berichten. Auch Blogger seien Medienvertreter, heißt es aus der Volkspartei.

Insgesamt sechs Blogger erhielten eine Einladung nach Salzburg und reagierten darauf teilweise mit großer Verwunderung.

Helge Fahrnberger, Betreiber des Weblogs Helge.at, lobte, dass es sich aus seiner Sicht durchgängig um kritische Geister handle, die in der Vergangenheit sogar Wahlempfehlungen für die SPÖ und die Grünen ausgesprochen hätten. Die Reisekosten würden von der ÖVP übernommen.

Die "Street-Credibility" von Weblogs

"Die Blogger erhalten ein eigenes Eck mit WLAN-Hot-Spot und dürften auch sonst die meisten Annehmlichketen genießen, die auch der Presse zugestanden werden. Eine Achtung, die es für diese neue Form der Meinungsäußerung und -bildung in Österreich so noch nie gab", berichtet Georg Pichler in seinem Blog Mygfx.at

Heinz Wittenbrink, der das Weblog Lost and Found betreibt, schreibt, dass er sich über die Einladung freut: "Nicht nur weil eine große österreichische Partei die Street-Credibility von sozialen Medien anerkennt. Sondern - ich gebe es zu - weil sie Aussicht auf mehr Leser, vielleicht sogar kommentierende Leser macht."

Bisher sind sechs Weblog-Betreiber bekannt geworden, die von der ÖVP eine Einladung zum Parteitag erhalten haben.

"Nicht der Objektivität verpflichtet"

Fahrnberger sagte auf Anfrage von ORF.at, wie er seine Aufgabe an Ort und Stelle sieht: "Als Blogger bin ich nicht der Objektivität verpflichtet, sondern kann meine persönlichen Eindrücke einer solchen Veranstaltung aus der Sicht eines politisch denkenden Wählers schildern."

Von den Themen interessiere ihn vor allem die Sicherheitspolitik und deren Auswirkung auf die digitalen Bürgerrechte: "In Deutschland bereitet ÖVP-Freund Schäuble derzeit Maßnahmen wie den 'Bundestrojaner' und eine zentrale Fingerabdruckdatenbank vor. Ich hoffe, die Position der ÖVP zu solchen Maßnahmen zu erfahren."

"Genauso wie Journalisten"

"Für uns gehört von der Entwicklung der konventionellen Offline-Medien zum Web 2.0 einfach dazu, dass wir auch Blogger genauso wie Journalisten als Medienvertreter betrachten und daher zum Parteitag einladen", teilte Gerhard Loub, der Leiter der ÖVP-Webredaktion, ORF.at mit.

Da die Entwicklung aber noch am Anfang stehe, habe sich die ÖVP für persönliche Einladungen statt genereller Akkreditierung entschieden, meinte Loub. Die eingeladenen Blogger, so Loeb, sprächen jedenfalls ein großes und interessantes Publikum an.

Kritische "Tester"

Von den Bloggern erhofft sich Loub auch Kritik am Webauftritt der ÖVP, "insbesonders an den Web-2.0.-Services" der Partei. Die Blogger seien sicherlich kritische "Tester", die hoffentlich "ungeschminkt ihre Meinung sagen", so Loub.

Von Podcasts, Blogs und Flash-Filmen angefangen bis zu eigens eingerichteten Wahlkampf-Websites zeigten sich die österreichischen Parteien im vergangenen Wahlkampf recht aktiv.

SPÖ und Grüne "offen"

Bei der SPÖ sieht man sich auf Anfrage offen für Blogger. Weblogs seien durchaus ein Instrument, das die SPÖ nutze. Dabei diene die Plattform Campa.at der internen Vernetzung und biete auch die Möglichkeit, eigene Weblogs anzulegen. Auch Nicht-Parteimitglieder könnten hier auf Empfehlung aktiv werden.

Der nächste SPÖ-Parteitag sei noch weit weg, die ÖVP-Strategie aber durchaus "eine interessante Idee".

Die Grünen verweisen auf ihre bloggenden Abgeordneten und betonen, dass ihre Veranstaltungen meistens für alle zugänglich und Blogger "selbstverständlich willkommen seien".

(futurezone | Nayla Haddad)