Mobiles Breitband, Mobilfunk-Mantras
Im Rennen um die Aufrüstung der UMTS-Netze mit höheren Bandbreiten sind vor allem die Leitungen von den Funkmasten weg das Hauptproblem. Warum Mobilfunker reine Datendienste wie WiMax jetzt nicht mögen, aber vielleicht später auf Frequenzen des alten C-Netzes verbreiten.
Das Mantra Intels von der möglichen "wunderbaren Koexistenz" zwischen den Funkdiensten WiMax und UMTS verfängt bei den Mobilfunkern nicht.
Der vom Chip-Marktführer massiv geförderte Datendienststandard WiMax soll eine Wiederholung des Erfolgs mit der WLAN-Integration in die Intel-Chipsätze für Notebooks bringen. Die UMTS-Mobilfunker mögen WiMax allerdings nicht, weil die Ankoppelung eines solchen Dienstes ihrem eigenen Branchen-Mantra widerspricht.
Wie die ungleiche Verteilung der Umsätze zeige, sei der Bedarf für einen Dienst, der in erster Linie mobilem Datenverkehr diene, noch nicht wirklich gegeben, meint Dietmar Pöltl, Netzwerkchef von T-Mobile Österreich.
Hauptfokus HSDPA
Nach wie vor erziele die Mobiltelefonie ein Mehrfaches an Umsatz und die Bedürfnisse nach schnellem Datenfunk würden in näherer Zukunft ohnehin mit der Aufrüstung der UMTS-Netze ausreichend bedient: "Hauptfokus ist HSDPA."
Marktführer mobilkom wie Verfolger T-Mobile sind damit beschäftigt, die Datenkapazitäten ihrer Funkzellen zu erhöhen. Zuerst wird mit High Speed Downlink Packet Access [HSDPA] für Downloads mit [theoretischen] 7,2 Mbit/sec pro Funkzelle aufgerüstet, danach kommt HSUPA, das Uplink-Pendant in die Gegenrichtung [1,4 Mbit/sec].
HSDPA-Upgrade einfach ...
Die HSDPA-Aufrüstung der Netze besteht im Wesentlichen aus einer Software, die auf alle bestehenden Rechnern in den UMTS-Funkzellen aufgespielt wird, dazu kommt freilich eine Menge Handarbeit.
Das Software-Upgrade im Netz beginne bei den Radio-Network-Controllern [RNC], sagt Ulrich Rokita, Netzwerkchef der mobilkom, zu ORF.at.
Im Fall der mobilkom sind es zehn RNCs [Master-Stationen], von denen aus dann alle "Node Bs", also die gewöhnlichen Funkzellen, aufgerüstet werden. Pro Funkmast [Luftschnittstelle] sei das binnen einer Stunde möglich, so Rokita, der eigentliche Aufwand aber sei das Upgrade der Leitung von der Funkzelle weg ins Netz.
... Leitungs-Upgrade schwieriger
Diese Problem stellt sich für alle vier österreichischen Mobilfunker gleichermaßen. Wenn in der Funkzelle selbst [theoretisch, in der Praxis ist es weniger] 7,2 Mbit/sec zur Verfügung stehen, dann muss die Leitung zum Abtransport der Daten ins Netz mindestens ebenso viel Bandbreite aufweisen.
Außerhalb der Ballungsräume sind solche Leitungen nicht immer einfach und schnell zu haben. Wenn die Funkzelle nicht über Kupfer oder [viel seltener] Glas - Leitungen werden bevorzugt - versorgt werden kann, sondern über eigene Richtfunkverbindungen verfügt, gilt Ähnliches. Vielfach muss hier Hardware, die nicht weiter aufgerüstet werden kann, ausgetauscht werden.
Die Aufrüstung in Österreich
Das derzeitige Rennen um die UMTS-Aufrüstung - die mobilkom liegt bei HSUPA allein voran - wird nicht das letzte sein. Die von allen Mobilfunkern verbaute UMTS-Hardware hat einen Bandbreitenhorizont von 14,4 [Download] bzw 5,6 Mbit/sec "Typischerweise passieren die Software-Upgrades im Halbjahresrhythmus" sagt Rokita, die nächste Runde stehe bei der mobilkom also im Spätsommer 2007 an.
Die Hardware auf der Benutzerseite ist freilich weniger geduldig und das ist den Wachstumsraten reiner Datendienste nicht eben zuträglich. Nach zwei Software-Upgrades im Netzbereich müssen beim Benutzer in der Regel Datenkarten bzw. -Sticks getauscht werden.
Hier WiMax ...
Für in der Zukunft zu erwartenden Nachfragesprünge bei mobilen Datendiensten jenseits der Bandbreiten von UMTS sind mobilkom wie T-Mobile unterschiedlich aufgestellt.
Die mobilkom sieht nur eine "sehr schmale Marktnische", die man gegebenfalls mit WiMax im 3,5 GHZ-Bereich füllen will, dafür hat man ein entsprechendes österreichweites Frequenzpaket ersteigert.
... dort Flash-OFDM
Vor ziemlich genau einem Jahr hat T-Mobile ein Frequenzpaket in Österreich für den 450 MHz-Bereich erworben, in dem früher das analoge C-Netz gesendet hat.
Die Technologie nennt sich Flash-OFDM [Orthogonal Frequency Division Multiplex] und wurde vorrangig für Datendienste entwickelt, der Telefonieteil wird wie bei WiMax über Voice over IP, also Internet-Telefonie abgewickelt.
Weiter funken auf 450 MHz
Im Unterschied zu UMTS oder auch WiMax benötigt Flash OFDM frequenzbedingt relativ wenige Funkzellen, um große Flächen zu versorgen. Mit einer Sendestation kann so ein Umkreis von rund 30 Kilometern abgedeckt werden. In der Slowakei betreibt T-Mobile bereits ein Netz mit Flash-OFDM, die Einführung hier zu Lande sei im Bedarfsfall sehr schnell machbar, so Pöltl abschließend.
Dasselbe gelte für das bevorstehende Roll-out von HSUPA, das im T-Mobile-Konzern gründlich getestet wird. Der UMTS-Lieferant von T-Mobile ist Siemens, während die mobilkom auf Ericsson-Ausrüstung setzt.
Das Mobilfunk-Mantra
Warum es von den UMTS-Betreibern keiner eilig hat, mobile Datendienste wie Flash-OFDM oder WiMax mit den UMTS-Netzen zu kombinieren, erklärt das Mantra der Mobilfunkbranche: "Wir steigern den ARPU" [average revenue per user].
Bei UMTS-Netzen ist eine Steigerung des Durchnittsumsatzes pro Kunde ganz besonders wichtig, denn von den geschmalzenen Lizenzkosten angefangen bis zum Netzausbau sind da enorme Kosten wieder hereinzubringen. Was man als UMTS-Betreiber dabei am wenigsten brauchen kann, ist das Andocken eines weiteren Funknetzes, in dem VoIP-Telefonie regiert.
Nach aktuellen Prognosen wird sich der Datenverkehr in Mobilfunknetzen bis 2015 verhundertfachen.
Das von 1998 in gleichbleibender Frequenz wiederholte Mantra Intels lautete übrigens "Voice over IP".
(futurezone | Erich Moechel)
