Der "chinesische Weg" zur Fusion
Im Mannesmann-Prozess um die umstrittenen Millionenabfindungen im Zuge der Übernahme durch Vodafone hat ein Vertreter des ehemaligen Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa die Zahlungen an den früheren Konzernchef Klaus Esser als Erfolgsprämie gerechtfertigt.
Der ehemalige Managing Director von Hutchison, Canning Fok, hat nach eigenen Angaben die umstrittene Anerkennungsprämie für Esser während der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren selber angeregt, um dessen Leistungen zu belohnen.
Er habe die Prämie für Esser am 2. Februar 2000 vorgeschlagen, als klar gewesen sei, dass die Übernahmeschlacht gegen Vodafone verloren sei, sagte der als Zeuge per Video aus Hongkong zugeschaltete Fok dem Düsseldorfer Landgericht.
"Im Gespräch mit Esser kam mir spontan der Gedanke an eine Anerkennungsprämie", sagte Fok. "Ich sagte, wir sind als Aktionär für Ihre Arbeit sehr dankbar. Viele CEOs gehen den leichten Weg und geben früher auf, um sich eine gute Position im neuen Unternehmen zu sichern."
16 Mio. Euro Abfindung "rein aus Mitleid"Der "chinesische Weg"
Fok hatte an jenem Februar-Tag zunächst mit Esser, dann mit dem damaligen Vodafone-Chef Chris Gent beraten, bevor er kurz in ein Gespräch der beiden Konzernlenker platzte.
Auf die Frage, ob er am Abend jenes 2. Februar in ein Gespräch zwischen Esser und Gent geplatzt sei, um die Verhandlungen zur Vodafone-Übernahme zu beschleunigen, sagte Fok, er sei nur maximal fünf Sekunden in dem Raum gewesen. Esser habe ihn sofort des Zimmers verwiesen.
Auf die Frage, ob er entsprechend einer Zeugenaussage vor dem Betreten des Gesprächszimmers gesagt habe, er wolle das Problem "auf dem chinesischen Weg" beilegen, sagte Fok, er könne sich nicht erinnern, etwas in dieser Art gesagt zu haben. Er könne aber auch nicht sagen, dass der Zeuge sich getäuscht habe.
Das Landgericht verhandelt seit Mitte Jänner gegen insgesamt sechs Manager - unter ihnen neben Esser auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Schwere Untreue oder Beihilfe zur Untreue lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Esser allein hatte damals inklusive Pensionszahlungen ein Abfindungspaket von gut 30 Mio. Euro erhalten. Die Staatsanwaltschaft sieht die Zahlungen an die ehemalige Mannesmann-Führung im Gesamtvolumen von rund 60 Mio. Euro als ungerechtfertigt und überzogen an. Für schwere Untreue ist eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren möglich.
