12.06.2004

DAB

RIAA schießt sich auf Digitalradio ein

Mit dem Aufkommen von Digitalradio in den USA beginnt auch die Musikindustrie, hellhörig zu werden.

Die Recording Industry Association of America [RIAA] befürchtet ein Revival von selbstgefertigten Aufnahmen, die dank Digitaltechnologie und programmierbarer Software erstmals eine nie gekannte Qualität erreichen. Durch die Digitalübertragung sind nämlich Aufnahmen in CD-Qualität möglich, gleichzeitig kann spezielle Software die gewünschten Songs automatisch herausfiltern und entsprechend abspeichern.

Vor allem die danachfolgende Distribution via Internet verunsichert die Musikindustrie. Nach Wünschen der RIAA soll die Federal Communications Commission [FCC] dafür sorgen, dass die entsprechenden Formate einen Kopierschutz erhalten. Somit soll verhindert werden, dass sich "die Radiowellen in ein einziges, gigantisches Filesharing-Netzwerk verwandeln", so die RIAA.

CD-Qualität samt Metadaten

Digitalradio soll -nicht nur in den USA - CD-Qualität ins FM-Band und FM-Qualität ins AM-Band bringen. Gleichzeitig werden Metadaten zu Künstler, Songname etc. geliefert. Für Radiostationen ergibt sich der Vorteil, dass mehrere Programme auf einmal gesendet werden können.

Laut FCC gibt es in den USA bereits 300 Radiostationen, die digital senden beziehungsweise kurz davor stehen.

Die RIAA befürchtet, dass Digitalradios bald mit Features auf den Markt kommen könnten, die erlauben, gewünschte Songs automatisch aufzunehmen, wenn sie gesendet werden. So könnte selbst in Abwesenheit eine Gratisdatenbank der jeweiligen Lieblingssongs aufgebaut werden, die noch dazu online verbreitet werden könnte.

DAB-Konsortium wartet ab

Die RIAA will seine Vorschläge nächsten Mittwoch der FCC übermitteln. Das DAB-Konsortium [Digital Audio Broadcasting], das privat geführt ist und den Digitalradio-Standard überwacht, will warten, bis ein Konsens zwischen Radiostationen, Plattenindustrie und Unterhaltungselektronik-Herstellern erzielt wird. Erst dann sollen eventuelle Kopierschutzmaßnahmen implementiert werden.

"Wir kümmern uns um die Entwicklung von Digitalradio, nicht darum, Copyright-Schutzmechanismen den Benutzern aufzudrücken", kommentiert Robert Struble, Chef der iBiquity Digital Corporation.