Die Technik hinter Googles Gmail
Obwohl noch nicht breitflächig öffentlich zugänglich, hat Googles Mail-Service Gmail bereits für einigen Gesprächsstoff gesorgt.
Doch nicht die Speicherkapazität von einem GB, sondern die Absicht, die E-Mails zu scannen und dem Inhalt entsprechende Werbung einzuspielen, hat die Gemüter am meisten erregt.
Wer also auf seinem Gmail-Account Mails von Freunden über den letzten Hawaii-Urlaub erhält, bekommt dazu auch Vorschläge, bei wem er seinen nächsten Urlaub buchen könnte.
Allerdings hat Google Gmail auch Grenzen gesetzt, die den Dienst wohl familienfreundlich machen sollen. Auch die Art, wie und wonach die Mails gescannt werden, wird laufend verfeinert.
Die Werbung wird dem Gmail-User eingespielt, dazu müssen die Mails aber nicht unbedingt auch von einem Gmail-User kommen.
Google will E-Mail-Anbieter werdenKeine Werbung bei Sex
So wird bei Mails, die Wörter wie Sex, Waffe, Drogen [sex, guns, drugs] oder aus dem Themenbereich dieser und anderer möglicherweise anstößiger Wörter enthalten, keine Werbung angezeigt.
Google wolle familienfreundlich sein, so Susan Wojcicki, Chef-Produktenwicklerin bei Google. Manche Themen seien einfach nicht passend für Werbung, so Wojcicki.
So wird auch keine Werbung für Dating-Services, ein an sich durchaus lukratives Geschäft im Netz, und Wasserspritzpistolen in Gmail eingespielt. Das gilt im Übrigen wohl auch für einen Großteil deutschsprachiger Mails, die offenbar derzeit noch nicht ausreichend ausgewertet werden.
Doch Gmail geht noch einen Schritt weiter. Mails, deren Inhalt sich abschätzig über ein bestimmtes Produkt auslässt, sollen keine Werbung zu diesem Produkt anzeigen.
Gmail analysiert also nicht nur den Inhalt der Nachrichten, sondern auch deren Tonfall. Im Test der "New York Times" brachte eine Mail mit "I Love Orlando" eine Werbung für Disney World zu Tage, bei "I hate Orlando" kam keine Einschaltung.
Derzeit kann man nur über Einladungen bei Gmail teilnehmen, Google will das Service aber bis Ende des Jahres für die Allgemeinheit öffnen.
Gmail-Accounts lassen Kreativität sprießenSuche nach Keywords
Laut Wojcicki besteht die Gmail-Technologie aus zwei Schritten. Zuerst scannt ein Computer die E-Mail, um zu erfassen, worum es darin überhaupt geht. Dazu werden einzelne Wörter analysiert, unter anderem ihre Häufigkeit und wo sie in der Nachricht auftauchen. Im Anschluss sollen einige übrig bleibende Keywords den Inhalt der Mail kategorisieren.
Im zweiten Schritt werden diese Keywords in gewohnter Weise mit denen der Werbekunden verglichen, die dafür zahlen, dass bei bestimmten Keywords oder Kategorien ihre Werbung eingespielt werden [unter anderem bei den Google-Suchergebnissen].
Googles System vergleicht dann den Inhalt der Mail mit der Relevanz einer möglichen Werbeeinschaltung und zieht dazu auch die mögliche Einnahmen durch eine Werbung in Betracht.
Um die Werbungen auch möglichst passend und bei unpassenden Momenten möglichst gar nicht einspielen zu können, hat Google den "Negativity Filter" entwickelt, ähnlich seinem "Tragedy Filter". Der "Tragedy Filter" soll Werbungen von Sites fernhalten, die Berichte über Katastrophen beinhalten. Doch das System ist nicht perfekt. Laut Wojcicki arbeitet ein ganzes Team an Sprachwissenschaftlern an der Verfeinerung des Negativfilters.
Womit Google Geld verdient
