24.06.2004

IRAK

Linux als Chance für den Wiederaufbau

Auch wenn der IT-Sektor im Irak aufgrund der politischen Ereignissen der letzten Jahre nicht sehr ausgeprägt ist, zeichnet sich ein Trend zum Aufschwung ab.

In den Souks von Bagdad sind Rechner schon für 150 Dollar zu kaufen.

Illegale Kopien von proprietärer Software [vor allem Microsoft] sind fast überall erhältlich, deshalb ist ein Computer derzeit für die meisten irakischen Nutzer gleichbedeutend mit dem Windows-Betriebssystem.

Open-Source-Software ist hingegen schwieriger zu bekommen.

Zwei irakische Studenten haben vor knapp einem Jahr die "Iraqi Linux User Group" ins Leben gerufen, um bei den "neuen" Nutzern ein Bewusstsein für Open Source aufzubauen und über die Anwendungsmöglichkeiten zu informieren.

Ziel: Alle Server unter Linux

Sie glauben, dass Linux dem Irak in Zukunft viel Geld ersparen kann, weil Unternehmen mit Open Source ihre eigenen Technologien entwickeln könnten.

Zu diesem Zweck halten sie Linux-Seminare an irakischen Universitäten und wollen mit Hilfe von Exil-Irakern ein Linux-Training-Center in Bagdad aufbauen.

Bis Open Source aber flächendeckend eingesetzt werden kann, muss sich die Grundstruktur stabilisieren. Fehlende Sicherheit, Stromknappheit, schlechte Kommunikation und Geldprobleme sind nur einige Hindernisse, die sich dabei auftun.

Trotzdem hat die Linux User Group hochgesteckte Ziele: Innerhalb eines Jahres sollen alle irakischen Server unter Linux laufen.

Erlaubnis für Linux-Distributionen

Nach Angaben der Initiatoren der Linux User Group müsste eigentlich derzeit jeder, der eine Linux-Distribution in den Irak schickt, die Erlaubnis des Department of Commerce einholen.

Grund dafür sei eine starke Verschlüsselung in Linux-Systemen, die nach Ansicht der Amerikaner auch für terroristische Zwecke missbraucht werden könnte.