Gericom will keinen Medion-Einstieg mehr
Gericom-Gründer Hermann Oberlehner hat es sich offenbar anders überlegt und will den Einstieg des deutschen Elektronikgroßhändlers Medion beim oberösterreichschen Notebookhersteller nun nachträglich vereiteln.
Er verweigert seit geraumer Zeit die Herausgabe des vereinbarten Aktienpakets von 24,9 Prozent.
Grund dafür: Gericom brauche die Geldspritze nicht mehr. Medion sieht den Deal aber noch nicht als geplatzt an.
Das Unternehmen will die Aktien-Herausgabe nun gerichtlich erzwingen, da man allen vertraglichen Verpflichtungen zu 100 Prozent nachgekommen sei.
Gericom war, wie aus der Ende März publizierten endgültigen Bilanz 2003 hervorging, durch den Medion-Einstieg mit 24,9 Prozent nur knapp an der Insolvenz vorbei geschlittert. Nach Gewinnen in den vorangegangenen Jahren musste der Notebookhersteller im Vorjahr einen deutlichen Nettoverlust von 17,2 Mio. Euro hinnehmen.
Gericom knapp der Insolvenz entkommenFalschen Eindruck erweckt
Die Cross Holding AG von KTM-Boss Stefan Pierer hat ihren Anteil [fünf Prozent] an Gericom im Unterschied zu Medion bereits erhalten.
Stefan Pierer, nun neuer Gericom-Aufsichtsratschef, erklärte am Freitagabend: "Der eigentlich logische Schritt" - der Medion-Einstieg mit 24,9 Prozent - "stellt sich inzwischen als ein großer Nachteil für Gericom heraus."
Lieferanten und Kunden von Gericom seien wegen des Einstiegs von Medion extrem verunsichert, so Pierer.
Er warf Medion indirekt vor, bei Lieferanten und Kunden den falschen Eindruck erweckt zu haben, Gericom sei nur noch eine Tochterfirma, und ihr damit "extrem geschadet" zu haben.
Zudem brauche Gericom die Finanzspritze nicht mehr.
Die Gericom-Aktien gaben am Freitag an der Frankfurter Börse kräftig um 7,82 Prozent oder 43 Cent auf 5,07 Euro nach.
Gericom-WebsiteSchiedsgericht soll entscheiden
Laut Pierer fühlt sich Oberlehner "in den Irrtum geführt". Aus Oberlehners Sicht sei Medion beim Verkauf vereinbarten Bedingungen nicht nachgekommen.
"Es gibt einen rechtsgültigen Vertrag, bei dem wir unseren Teil erfüllt haben," hält Medion-Finanzchef Christian Eigen dagegen. "Der Einstieg bei Gericom ist damit nicht geplatzt."
Laut Pirer muss der Streit zwischen den beiden Aktionären vor einem Schiedsgericht geklärt werden.
Das dauere in der Regel aber 14 bis 16 Monate. Das Geld liege derzeit auf einem Treuhandkonto.
Hermann Oberlehner hat Gericom 1990 gegründet und ging 1999 an die Börse. Seither ist er Vorstandsvorsitzender und über seine gleichnamige Beteiligungsgesellschaft auch Großaktionär. Nach der Medion-Transaktion würde die Oberlehner Privatstiftung weiterhin 36,1 Prozent halten.
