Internet: Obama knapp vor Clinton
Barack Obama und Hillary Clinton liefern einander ein Kopf-an-Kopf-Rennen - auch um die Spendengelder der IT-Industrie und die Stimmen ihrer Anhänger im Internet. Stanford-Professor David Dill hält die weltweite Internet-Abstimmung der Demokraten am "Super Tuesday" für ein "gefährliches Experiment". In Wien können US-Staatsbürger am Dienstag auch "analog" abstimmen.
Ginge es nach der IT-Industrie, so würde jedenfalls ein demokratischer Kandidat neuer US-Präsident. Das Spendenaufkommen von IT-Unternehmen bis Ende Dezember - das Center for Responsive Politics veröffentlicht sie auf Quartalsbasis - zeigt mit 940.000 Dollar Obama knapp vor Clinton [883.000].
Der Republikaner Mitt Romney konnte etwas über eine halbe Million sammeln, sein Parteikollege John McCain 250.000.
Die Medienindustrie
Hollywood bietet ein ganz ähnliches Bild, denn in der Gunst der US-Medienindustrie liegen bei den ausgewiesenen Spenden Obama [2,2 Mio.] und Clinton [2,1 Mio.] ebenso knapp hintereinander wie haushoch vor den anderen Kandidaten.
Was das gesamte Aufkommen an Spenden betrifft, so rangieren Clinton und Obama ebenfalls deutlich vor der republikanischen Konkurrenz.
Allerdings umgekehrt, den da führt Clinton mit 116 gegen 102 Millionen Dollar vor Obama. Dritter ist Romney [89 Mio.], der trotzdem am meisten ausgegeben hat, weil er zusätzlich mit 35 Millionen Dollar in der Kreide steht. Hier nützt natürlich das stattliche Privatvermöglichen, das Romney sein Eigen nennt.
Automatische Medienbeobachtung
IDIOM, ein österreichisches Projekt zur Erstellung von Wissenslandkarten, das nun an der Modul Universität Wien angesiedelt ist, hat sich nun auch mit den US-Wahlen befasst und ein Informationsportal erstellt, das verschiedene grafische Ansichten auf die aktuellen Tendenzen in der Berichterstattung von Massenmedien und Weblogs bietet.
Das System wertet, nach Angaben der Forschungsgruppe unter der Leitung von Arno Scharl, wöchentlich über 800.000 Dokumente aus.
"Gefährliches Experiment"
Für den "Super Tuesday" haben die Kandidaten der Demokratischen Partei das Internet gewissermaßen zum 52. Bundesstaat erklärt. Über ein relativ simpel gestricktes Online-Formular konnte man bis 31. Jänner aus aller Welt mitabstimmen.
Stanford-Technikprofessor David Dill, Gründer von VoteTrustUSA, einer gemeinnützigen Organisation, die seit Jahren Sicherheitslücken beim E-Voting in den USA aufdeckt, befindet das als "gefährliches Experiment".
"Unfreundliche Regierungen"
Bisher hätten Wähler nur befürchten müssen, dass Mitarbeiter der Wahlkommission die Maschinen über Nacht zu Hause aufbewahrten oder dass die Wahlcomputer lokal gehackt würden, schrieb Dill am Wochenende.
Mit Internet-Voting sei es nun möglich, dass sich von osteuropäischen Teenagern über das organisierte Verbrechen bis zu "unfreundlichen Regierungen" alle möglichen Mitspieler in das Wahlgeschehen einmischten.
Australien, Verteidigungsministerium
Zudem sei das von der Demokratischen Partei benutzte System der australischen Firma Everyone Counts nicht von unabhängigen Experten überprüft worden. An diesem Unternehmen sei ein Hedgefonds aus den USA beteiligt, dessen Identität nicht ausgewiesen sei.
Damit könne man auch nicht überprüfen, ob dieser US-Finanzinvestor auch unter den offiziellen Spendern sei.
Zuletzt hatte es das australische Unternehmen im Auftrag des Verteidigungsministeriums im Ausland stationierten Angehörigen der Armee ermöglicht, bei der vergangenen Präsidentschaftswahl 2007 elektronisch abzustimmen
Nicht gut und noch schlechter
"Inzwischen sind die meisten schon draufgekommen, dass papierlose, elektronische Wahlen keine gute Idee sind. Aber es gibt noch eine schlechtere: Wahlen über das Internet", schreibt Dill.
In Wien
In 33 Ländern anderswo auf der Welt, zum Beispiel auch in Wien, können US-Staatsbürger, die bei den Vorwahlen der demokratischen Partei zum "Super Tuesday" ihre Stimme nach Schluss des elektronischen Prozedere in der Vorwahl der Demokratischen Partei abgeben möchten, das persönlich tun.
Das Wahllokal befindet sich im Pickwicks's, Marc Aurel-Straße 10-12, 1010 Wien. Ziemlich "liberal" sind auch die Öffnungszeiten des Wahllokals, nämlich jeweils von 12.00 bis 22.00 Uhr am 5. und 12. Februar.
(futurezone | Erich Moechel)
