24.04.2005

MATRIX FORUM

Mit Tags gegen Ordnungs-Ideologien

Als Yahoo im März die Foto-Sharing-Website Flickr.com für geschätzte 50 Millionen US-Dollar kaufte, rieb sich mancher Beobachter verwundert die Augen.

Yahoo besitzt bereits ein eigenes Foto-Angebot. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Shutterfly oder Ofoto ist Flickr.com zudem ein noch recht kleiner Newcomer.

Trotzdem hat sich Flickr innerhalb der letzten Monate zu einem Geheimtipp gemausert. Grund dafür sind die aktive Community der Website und neue Ideen zum Ordnen und Finden der gehosteten Fotos. Flickr nutzt dazu ein System der freien Verstichwortung, das auch als "Tagging" bezeichnet wird.

Fotos können dabei mit Tags wie "Wien", "Hund" oder "Himmel" versehen werden, die von Usern der Site ohne jegliche Vorgaben eingegeben wrden. "Es klingt albern", so Flickr-Chef Stewart Butterfield. "Aber sobald du tausende von Fotos besitzt, wird es tatsächlich sehr nützlich."

Nicht nur für Fotos

Doch Tags lassen sich nicht allein für Fotos nutzen. So organisieren Nutzer der Website Del.icio.us mit derartigen Stichwörtern ihre Bookmarks. Gleich lautende Tags dienen dabei als Wegweiser zu Web-Neuentdeckungen.

Technologie mit Potential

Kenner der Materie glauben, dass Tags auch für andere Online-Angebote interessant sein könnten. So könne Yahoo mit Flickrs Technologie seinem alten Web-Katalog neues Leben einhauchen.

Der Netz-Theoretiker Clay Shirky geht sogar davon aus, dass Tagging unseren Umgang mit Wissen im Netz fundamental verändern könnte. "Der Hauptunterschied ist, dass dies von Amateuren betrieben wird, und nicht von Experten", erklärt Shirky.

Diese Amateurisierung bringe eine fundamentale Demokratisierung mit sich. So seien zentral verwaltete Kataloge immer auch ein Spiegel eine bestimmten Ideologie. Tagging sei dagegen viel pluralistischer. "Wir bewegen uns in eine Welt, in der Nutzer ihre eigenen Ansichten mit einbringen können und Werte gleichermaßen individuell wie auch kollektiv sind", so Shirky.