01.05.2005

MATRIX-FORUM

Vom Vinyl zur Virtualität

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war die Musiklandschaft noch überschaubar und es gab noch kein derart heilloses Durcheinander sich ständig verändernder und verästelnder Musik-Genres und Subgenres so wie heute.

Damals war auch die Welt der Plattenfirmen und Plattenläden noch heil: Die CDs hatten sich gerade erst auf dem Massenmarkt duchgesetzt und für große Gewinne auf Seiten der Musikwirtschaft gesorgt - aber auch für Frust seitens der Konsumenten angesichts der hohen CD-Preise, der sich später noch rächen sollte.

Damals eröffnete in Wien auch der auf schwarze und Dancemusic spezialisierte Plattenladen "Black Market", der sich aus dem Club und Musikvertrieb "Soul Seduction" heraus entwickelt hatte. "Soul Seduction"-Chef Alexander Hirschenhauser erinnert sich:

Vom Postversand zum Online-Store

"Wir haben tatsächlich einen ganz großen Vorteil dadurch, dass wir in der analogen Welt, in der "Brick and Mortar"-Welt begonnen haben und parallel zu unserem Geschäft auch ein internationales Mailorder-Business aufgebaut haben. Als wir dann 1999 unseren ersten, noch relativ simplen Online-Store eröffnet haben, konnten wir auf zehn Jahre Erfahrung mit dem klassischen Postversand aufbauen. So konnten wir viel entspannter mit den Online-Kunden umgehen."

Downloads als nächster Schritt

Im Jahre 2003 folgte ein Relaunch des Online-Stores - zu jedem angebotenen Musikprodukt werden seitdem auch Begleitinformationen in Form von Texten, Bildern und Hörproben angeboten. Für Alexander Hirschenhauser war allerdings klar, dass man noch einen Schritt weitergehen und auch Files zum Download anbieten müsse.

In den USA beträgt der Anteil von Downloads auf dem Gesamtmusikmarkt im Moment zwischen fünf und zehn Prozent. In Europa sind es drei bis fünf Prozent. Tendenz jeweils stetig steigend. Der "Soul Seduction"-Chef schätzt, dass es in fünf bis acht Jahren ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen physischen Tonträgern und digitalen Downloads geben könnte.

Zurzeit arbeitet Hirschenhausers Team an der Weiterentwicklung des Online-Stores in Richtung Download-Shop, die man noch vor dem Sommer abzuschließen hofft.

"Musiktankstelle" im Museumsquartier

Im Wiener Museumsquartier hat im Herbst 2004 die "Musiktankstelle" eröffnet. Diese besteht aus zwei Zapfsäulen in Form von Computern, auf denen sich 3.000 Songs österreichischer Musiker von Ambros bis Zawinul und Zeebee befinden, aus denen man beliebig viele auswählen und auf CD pressen lassen kann.

Vor allem Sammler machen gerne Halt an der "Musiktankstelle", weil sie dort an Songs gelangen können, die auf CD seit langem vergriffen sind.

"Customized CDs" als Marktlücke

Den User sich aus einem bereit gestellten Musikangebot seine eigene Wunsch-CD basteln zu lassen - das ist auch die Geschäftsidee der Musikplattform "Streetforward", die ebenfalls von Wien aus betrieben wird.

Wie die "Musiktankstelle" umfasst das Angebot von Streetforward im Moment 3.000 Tracks. Der User kann auf "Streetforward" aus dem Musikangebot von 127 österreichischen und internationalen Labels auswählen.

Der Unterschied zur "Musiktankstelle": Die CD wird per Post zugestellt und online zusammengestellt.

Das Netz als Chance für kleine Labels

Zu den 127 auf der Musikplattform"Streetforward" versammelten Labels gehört auch das kleine Wiener Label "Temp-Records", das sich aus dem einmal jährlich in Greifenstein bei Wien stattfindenden "Temp-Festival" für elektronische Musik entwickelt hat.

Die vier Betreiber von "Temp Records", allesamt selbst Musiker, können von ihrem kleinen Label nicht leben. Aber durch Plattformen wie "Streetforward" bietet sich ihnen zumindest die Möglichkeit, mit dem Vertrieb ihrer Musik online ein bisschen Geld zu verdienen.