Müllvermeidung in der Mailbox
Im Jahr 2005 wird der Anteil von Spam in der Mailbox auf 95 Prozent ansteigen. Der elektronische Müll erhöht die Download-Zeit beim Abruf der E-Mails, kostet Zeit beim Aussortieren und verursacht ein immenses Verkehrsaufkommen in den Datenleitungen.
Weil Spam die Kunden verärgert, seriöse Geschäftstätigkeiten verhindert und die Kosten für Leitungs- und Serverkapazitäten erhöht, gehen die österreichischen Provider verstärkt gegen Spam vor.
Whitelist vor Blacklist
Eine seit langem praktizierte Methode, Spam-Mails zu blockieren, sind schwarze Listen, auf denen die IP-Adressen von bekannten Spammern eingetragen werden.
Der Vorteil ist, dass die Spam-Mails damit gar nicht erst angenommen werden. Der Nachteil, dass irrtümlich eingetragene Adressen zu tagelangen Ausfällen und erhöhtem Aufwand beim Support führen.
Die ISPA [Internet Service Providers Austria] hat deshalb eine Whitelist für ihre Mitglieder eingeführt, die Priorität vor den internationalen schwarzen Listen hat. Die ISPA-Whitelist läuft mittlerweile seit einigen Monaten mit Erfolg. Das System funktioniert, weil die Provider in Österreich einander kennen und im Notfall mit einem betroffenen Provider Kontakt aufgenommen werden kann, bevor eine Adresse auf die Blacklist gesetzt wird.
Spamfilter
Mit Spamfiltern kann man Spam zwar nicht verhindern, aber zumindest beim Provider oder beim User aussortieren. Da Spammer ihre Tricks ständig ändern, um die Filter zu täuschen, wirken selbstlernende Filter am besten. Diese arbeiten zumeist nach den statistischen Regeln des englischen Mathematikers Thomas Bayes aus dem 18. Jahrhundert.
Lernt der E-Mail-Empfänger den Filter selbst an, hat das auch den Vorteil, dass er selbst bestimmen kann, was er als Spam betrachtet und was nicht. Denn die Provider stehen beim Filtern immer vor dem Dilemma, was sie als Spam kategorisieren sollen, und was nicht und wie sie verhindern können, dass sie den Kunden wichtige E-Mails vorenthalten.
Studie der Uni Wien
Filter wirken mittlerweile gut, haben aber den Nachteil, dass sie das Datenaufkommen durch Spam nicht verhindern können. Eine Studie der Fakultät für Informatik der Universität Wien versucht deshalb, Methoden zu finden, mit denen man Spam schon an der Quelle stoppen kann.
Überlegt werden zum Beispiel Techniken, mit denen es zumindest nicht mehr möglich wäre, riesige Mengen an E-Mails auf einmal zu verschicken. Denn gerade das ist es ja, was Spammen so lukrativ macht.
Abwehr von SpamDas Spam-Kartell
Einblick in die Methoden, Geschäftsmodelle und Hintergründe von Spammern geben zwei Bücher:
In "Inside the Spam Cartel", das beim Verlag Syngress erschienen ist, läßt der IT-Sicherheitsexperte Jeffrey Posluns den 22jährigen "Spammer X" erzählen, wie er E-Mail-Adressen sammelt oder auf gut Glück erfindet, wie er offene Proxy-Server ausnützt, Spamfilter und Blacklists austrickst und wie er von Viagra-Händlern oder Pornoseiten-Betreibern Geld eintreibt. "Spammer X" ist allerdings eine Kunstfigur, zusammengestellt aus Posluns unzähligen Begegnungen mit Spammern.
Inside the Spam CartelKönige des Spam
Real existierende Spammer kann man im Buch "Spam Kings" kennenlernen, das kürzlich beim Verlag O'Reilly erschienen ist. Der Journalist Brian McWilliams, der im Jahr 2002 für Wired News über Saddam Husseins E-Mail-Postfach geschrieben hat, dokumentiert in seinem Buch zahlreiche Fälle des Krieges zwischen Spammern und Spam-Bekämpfern.
Im Zentrum steht der hochintelligente Neo-Nazi Davis Hawke, der im Alter von 25 Jahren durch Spam für Penis-Vergrößerungs-Pillen zum Millionär wurde. Ein Thema des Buches "Spam Kings" ist auch die Anti-Spam-Gesetzgebung der USA, die von Spam-Bekämpfern und auch von der Europäischen Union kritisiert wird.
Spam KingsHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Sonja Bettel hat nachgefragt, welche technischen und rechtlichen
Maßnahmen zur Spam-Abwehr möglich wären und warum die bisherigen
Methoden nicht gewirkt haben.
Der Kampf gegen Spam
matrix zum Download für Ö1-Clubmitglieder
