04.06.2005

KRITIK

Zu wenig Open Source in Europa

Auf der Open-Software-Konferenz in Amsterdam stellte der Leiter der europäischen Information Society Maßnahmen vor, wie Unternehmen und Regierungen freie Software besser unterstützen und nützen können.

Villasante ist der Meinung, dass Europa, wenn es nicht stärker die Initiative ergreift, weiter hinter die USA und Asien zurückfallen wird: "Wir haben den Eindruck, dass Europa sich sehr, sehr langsam bewegt und unsere Mitbewerber bewegen sich sehr schnell."

In den USA hätten die meisten größeren Firmen klare Strategien für den Einsatz von Open Source in ihren Produkten, während es in Asien und Lateinamerika viele nationale und regionale Anstrengungen gebe, verstärkt auf Open Source zu setzen.

Maßnahmen und Barrieren

Wenn Europa nicht bald aktiv werde, Open Source weiter zu erforschen und sich zum Nutzen für wirtschaftiche und soziale Zwecke zu machen, verpasse es eine wichtige Chance.

Weiters erklärte Villasante, dass Europa keine eigene Softwareindustrie habe und sich entscheiden müsse, ob das überhaupt ein Ziel ist. Open Source sei nämlich die Grundlage für den Aufbau einer eigenständigen Industrie.

Um einen Schritt nach vorne zu machen, sollen erst einmal die Unklarheiten über den Einsatz von Open Source in Wirtschaft und Regierungen beseitigt werden. Weiters müsse die Europäische Industrie Open Source aktiver in ihre Produkte einbinden und Open Source Communitys gestärkt werden.

Als Barrieren für den verstärkten Einsatz von Open Source Software nannte Villasante unter anderem die die starken politischen Lobbys traditioneller Unternehmen, das schwache Interesse seitens der Politik und das fragmentierte Dasein der Open Source Communitys.

Kritik an US-Konzernen

Der EU-Software-Spezialist kritisierte in seiner Rede aber auch US-Konzerne, die seiner Meinung nach zu viel Einfluss auf die Entwicklung von Open Source haben.

Konkret nannte er dabei Sun, IBM und HP, die seiner Meinung nach die Community nur als Zulieferer ausnutzen, anstatt sie zur Entwicklung eigenständiger Produkte anzuregen.

Auf die Software-Patente-Richtlinie der EU angesprochen, betonte Villasante nur, dass das nicht in seinen Zuständigkeitsbereich falle und seine Abteilung nicht immer mit den Direktiven der Kommission konform gehe.