Maßnahmenbündel gegen IT-Fachkräftemangel
Der IT-Fachkräftemangel der österreichischen Wirtschaft sei mittelfristig zur Gänze durch heimische Arbeitskräfte abdeckbar, ist der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich [WKÖ], Christoph Leitl, überzeugt.
Um dieses "sehr, sehr ambitionierte", aber "durchaus machbare" Ziel zu erreichen, müssten die heimischen Ressourcen, Talente und Begabungen ausgeschöpft werden, forderte Leitl bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Vorstand des Arbeitsmarktservice [AMS] heute in Wien.
"Wir rufen nicht sofort nach der Green Card", so Leitl, "zuerst sollten alle inländischen Möglichkeiten ausgenutzt werden."
In Österreich fehlen 10.000 IT-Fachkräfte
Der österreichischen Wirtschaft fehlten jährlich bis zu 10.000
IT-Fachkräfte, diese Zahl habe sich in der Zwischenzeit bestätigt,
führte Leitl weiter aus. Davon seien 8.000 kurzfristig abdeckbar.
Somit blieben 2.000 Stellen offen, für die andere, flexible Lösungen
gefunden werden müssten. Zur Überbrückung favorisiert Leitl das
Hereinholen von Fachkräften aus den EU-Erweiterungsländern. "In vier
bis fünf Jahren können wir tatsächlich 100 Prozent Eigenausbildung
schaffen", ist Leitl überzeugt. Um dieses Ziel zu erreichen, sei
aber das Zusammenwirken aller Beteiligten erforderlich.
Wirtschaftskammer ÖsterreichAMS und Wirtschaftskammer kooperieren
Da es sich beim IT-Fachkräftemangel um ein "existenzielles Thema" der heimischen Wirtschaft handle, sei die WKÖ eine Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice [AMS] eingegangen.
In Wien wird ein Pilotprojekt zur Umschulung von arbeitslosen Junglehrern starten.
Weiters will der Wirtschaftskammerpräsident die Zahl der Absolventen von Fachhochschulen von derzeit 1.000 auf 3.000 steigern. Weil kurzfristig aber nur eine Steigerung um rund 30 Prozent möglich sei, hält Leitl höhere Investitionen der öffentlichen Hand in die Fachhochschulen für nötig.
IT-Lehrlingsausbildung soll intensiviert werden
Einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt zur Beseitigung der IT-Qualifikationslücke sieht Leitl im Primärschulbereich selbst. Dazu seien aber genug qualifizierte Lehrer erforderlich. Die Wirtschaftskammer sei auch bereit, bei Sommerschulen oder Kollegs - einer Kooperation von Wirtschaft und Schulen - mitzuwirken. Derzeit spieße es sich hier hautptsächlich bei Fragen der Besoldung, sagte Leitl.
Ausbildungserfordernisse sieht Leitl aber auch im betrieblichen Bereich und in der Lehrlingsausbildung. In diesem Zusammenhang wendet sich die WKÖ mittels Rundschreiben und Zeitungsinserat an ihre Mitglieder und lädt diese ein, mit einer IT-Lehrlingsausbildung zu beginnen oder diese zu intensivieren. Leitl will damit die Zahl der IT-Lehrlinge von im Vorjahr rund 2.000 auf heuer 3.000 erhöhen. Auch über die Berufsinformationsmessen und das Wifi wolle die Wirtschaftskammer das Problem des IT-Fachkräftemangels verstärkt angehen, kündigte Leitl an.
Arbeitsmarktservice [AMS]"Distant Learning" soll schmackhaft gemacht werden
Weitere Ansatzpunkte der Zusammenarbeit zwischen AMS und WKÖ sieht Leitl in der generellen Steigerung der Beschäftigtenquote.
Vor allem Frauen und Wiedereinsteiger sollten motiviert und die Möglichkeiten des "Distant Learning" etwa in der Karenzzeit genutzt werden.
Das Mitwirken der Betriebe möchte Leitl in erste Linie über "Einsicht" gewinnen. Anreize, etwa steuerlicher Art, werden nicht "matchentscheidend" sein, meinte Leitl.
