31.03.2001

E-MUSIK

Bildquelle: nme

Die Popmusik wird virtuell

Popmusik im Internet besteht nicht nur aus MP3s, von Plattenfirmen gestalteten Band-Websites und Live-Streams von Konzerten.

Dass es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten gibt, kreativ und spielerisch mit dem Medium umzugehen, beweist die englische Gruppe "Gorillaz", die derzeit mit ihrer Single "Clint Eastwood" Platz sechs der UK Top Ten belegt.

Die "Gorillaz" werden als "erste rein virtuelle Pop-Band" vermarktet. Bei den Mitgliedern der Band - Russell, 2D, Noodle und Murdoc - handelt es sich um animierte Comic-Figuren, die primär auf der "Gorillaz"-Website in Erscheinung treten.

Pop goes the World Wide Web

Erfunden und kreiert hat die "Gorillaz" der englische Comic-Zeichner Jamie Hewlett, der bereits Ende der 80er Jahre als Schöpfer der Comic-Figur "Tank Girl" [dem Prototyp für toughe Girls à la "Lara Croft"] für Furore sorgte. Für sein Projekt einer virtuellen Band konnte Hewlett prominente Unterstützung gewinnen: Dem "Gorillaz"-Sänger etwa leiht "Blur"-Frontman Damon Albarn seine Stimme.

"Daft Club Member"

Neue Wege im Internet beschreiten auch die französischen Disco-Avantgardisten "Daft Punk".

Das Duo aus Paris reagiert auf originelle Weise auf die Urheberrechtsdebatte rund um Napster & Co.: Dem neuen "Daft Punk"-Album "Discovery" liegt eine Mitgliedskarte bei, die dem Käufer der CD exklusiven Zugang zu Musikfiles und den neuesten Informationen auf der Band-Website gewährt.

Die "Daft Card" gleicht in der Form einer Kreditkarte und enthält wie diese einen sechzehnstelligen Nummerncode, den man auf der Site eingeben muss.

Digitale Goodies

Für den Download und die Installation der Software ist dann noch einmal Geduld erforderlich, denn dieser Vorgang kann bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen. Der "Daft Punk"-Fan wird dafür allerdings mit digitalen Goodies [u.a. bislang unveröffentlichte Songs] belohnt. Weiterer Bonus-Punkt: Die Mitgliedschaft im "Daft Club" ist gratis.

Hinter "Daft Punk" verbergen sich Thomas Bangaltar und Guy-Manuel de Hohem Christo, die bereits mehrfach bewiesen haben, dass sie kreative Antworten auf technologische Herausforderungen geben können.

Mit ihrer 1999 veröffentlichten Video-Compilation "A Story About Dogs Androids, Firemen and Tomatoes" etwa haben sie neue Maßstäbe im Bereich Musik-DVDs gesetzt.

"Sigue Sigue Sputnik" are back!

Ende der 80er Jahre waren sie für kurze Zeit der leuchtendste Stern am Pop-Himmel: "Sigue Sigue Sputnik" [SSS]. Das Motto der Band mit dem Hang zur exzentrischen Selbstinszenierung lautete damals: "Homecomputers and High-Tech-Sex".

Ebenso visionär waren die Themen und Texte der Songs von "Sigue Sigue Sputnik": Gewaltvideos, Computerspiele, Consumer Electronics, japanische Anime und Transsexualität. Das von Elektronik-Guru Giorgio Moroder produzierte Debüt-Album "Flaunt It" enthielt Songs wie "Atari Baby" und den Superhit "Love Missile F1-11". Das Album-Cover zierte ein "Gundam"-artiger japanischer Kampf-Roboter.

Besonders innovativ: Die kurzen Pausen zwischen den einzelnen Songs verkaufte die Band als Werbefläche an Firmen.

"Sigue Sigue Sputnik" waren ihrer Zeit weit voraus und eine Zeitlang auch die Lieblinge der Medien. Anfang der 90er Jahre ließ die Musikpresse die Band allerdings jäh fallen und SSS lösten sich auf.

"Sputnikworld.com ... History will prove us right"

Mastermind von "Sigue Sigue Sputnik" war Tony James, dessen musikalische Laufbahn Ende der 70er Jahre an der Seite von Billy Idol in "Generation X" begonnen hatte. Nach dem Ende von "Sigue Sigue Sputnik" verdingte sich James kurzzeitig bei "The Sisters of Mercy". 1995 offenbarte sich ihm dann eine neue Welt: Apple Mac und Internet. Auf der "Sigue Sigue Spuntik"-Website berichtet er ausführlich von dieser schicksalhaften Begegnung:

Neues Album "Piratespace"

Tony James, der vor seiner Karriere als Musiker Informatik studierte, hat die Chancen, die das Web für Musikgruppen bietet, bald erkannt und "Sigue Sigue Sputnik" im Cyberspace wiederaufstehen lassen.

Und zwar ohne Plattenfirma im Hintergrund, dafür im direkten Kontakt mit den nach wie vor zahlreichen "Sputnik"-Fans.